4.6.13

After Earth

USA 2013 (After Earth) Regie: M. Night Shyamalan, mit Jaden Smith, Will Smith, Sophie Okonedo, Zoë Kravitz 100 Min.

Ob es gut ist, wenn Millionen Menschen weltweit Familienalbum und -konflikte einsehen können? Die neueste Geschichte der Familie Will Smith ist ganz und gar eine Smith-Produktion, überhaupt kein M. Night Shyamalan-Film und nur mit Mühen als Scientology-Propaganda interpretierbar.

Ein Asteroiden-Sturm zwingt das futuristische Raumschiff ausgerechnet auf der Erde, die vor Generationen verlassen und unter Quarantäne gestellt wurde, zur Notlandung. Kitai Raige (Jaden Smith), der ehrgeizige und begabte Sohn des hochverehrten militärischen Führers und Helden Cypher Raige (Will Smith) ist voller Panik. Sein schwer verletzter Vater schickt ihn auf eine mehrtägige Reise, um von einem anderen Trümmerteil einen Hilferuf abzuschicken.

Die Erde hat sich tausend Jahre nach den Menschen wieder prächtig erholt: Bison-Herden bis zum Horizont, riesige Wälder mit Mammut-Bäumen, aber auch ziemlich viele, sehr wilde Tiere. Die Außerirdischen von der Erde haben als zusätzlichen Spannungshelfer noch eines dieser Monster mitgebracht, das den neuen Heimatplaneten unsicher macht. Es ist zwar blind, kann allerdings die Angst der Menschen riechen.

Papas Anweisungen vom Kontrollzentrum ähneln einem Computerspiel und praktischerweise kann er auch live und in Farbe mitverfolgen, was Sohnemann erlebt. Das ist unter anderem eine Injektion ins Herz nach einer Blutvergiftung, dazu nicht nur ein atemberaubender Sprung mit einem Wingsuit, sondern noch ein Luftkampf mit Riesenadler, der später den einsamen Kämpfer adoptiert.

Während der Vorrat an Atemflüssigkeit zur Neige geht, gestaltet sich auch der Vater-Sohn-Dialog höchst spannend. Der alte Smith spielt dabei zwei gebrochene Beine und macht nicht viel. Der kleine Smith sagt nicht viel, rennt mit Doppelharpune (passend zum Moby Dick-Thema) durch atemberaubende Landschaften und mit der letzten Luft sprechen sie endlich aus, was zwischen ihnen stand: Der Tod der Tochter beziehungsweise Schwester, dem Kitai tatenlos zusah. Und das Schuldgefühl des Vaters, der schon mit dieser älteren Tochter meist nur über Video in Kontakt stand. Allein wir sehen dabei die Regungen des Vaters, der nur mit Mühen die reglose Fassade als Vorgesetzter aufrecht erhält. Der Blickwechsel zum Papa, der auch nur bei Mama sein möchte, wird spät nachgeliefert.

Der gut gestaltete Science Fiction ist zum Glück spannend genug, um sich über die gerade mal ausreichende Küchenpsychologie keine Gedanken machen zu müssen. Unter der Zukunftst-Deko ist „After Earth" wieder die gleiche Vater-Sohn-Geschichte vom überarbeiteten und abwesenden Ernährer. Ein Problem der Smiths, das sich wohl nur etwas entspannt, wenn jetzt die ganze Familie als Darsteller (Will, Jaden) oder Produzenten (Will, Jada Pinkett-Smith) mit dreht. Dass da Verbindungen zu den Scientologen der Handlung zugrunde liegen, muss allerdings mit Mühen herbeizitiert werden.

Der spannende Smith-Film „After Earth" ist dabei leider kein richtiger M. Night Shyamalan-Film. Doch der gefeierte Regisseur konnte ja schon 2010 mit „Die Legende von Aang" nicht an seine sensationell spannenden „The Village" (2004), „Signs" (2002) oder „The Sixth Sense" (1999) anschließen. Dafür beweist das Familienunternehmen Smith einen sechsten Sinn fürs unterhaltsame Geschäft.

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