27.5.13

To the Wonder

USA 2012 Regie: Terrence Malick, mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem

Auftakt und Ende einer Liebe zwischen den Kontinenten - ist das als Thema zu klein für Terrence Malick („The New World", „Der schmale Grat"), der in seinem sensationellen Cannes-Sieger „The Tree of Life" gleich die ganze Schöpfung mit verfilmte? „To the Wonder" erzählt von der französichen Felseninsel Mont Saint Michel (das Wunder) bis zu irgendeiner amerikanischen Vorstadtsiedlung in Oklahoma, wie sich die lebhafte Ukrainerin Marina (Olga Kurylenko) und der zurückhaltende Amerikaner Neil (Ben Affleck) verlieben, auseinanderleben, im Streit zerfleischen und trennen. Denn Marina fühlt sich fremd, zweifelt an der Beziehung und sucht Beistand beim katholischen Geistlichen Pater Quintana (Javier Bardem). Der wiederum zweifelt am eigenen Glauben und konfrontiert sie mit der Frage, ob eine Liebe überhaupt ewig halten kann. Dann taucht auch noch Neils Jugendfreundin Jane (Rachel McAdams) auf. Aus dem Wunder Liebe wird ein zerfleischender, grausamer Krieg.

Malick, der nie öffentlich auftritt, stellte den betörend schönen Film für seine Verhältnisse rasend schnell fertig (und hat gleich noch drei andere Projekte in den letzten Zügen). Seine Filme sind keine bebilderten Geschichten, sondern Gedichte, bestenfalls Sonette, die neben ihren eigenen optischen Harmonien auch etwas erzählen. So zeichnen Flugzeuge Marinas Sehnsucht an den Himmel. Ihre Tochter Tatjana aus erster Ehe ist anfangs von dem neuen Freund begeistert, will aber dann schnell weg aus den USA weil "hier etwas fehlt". Das Land ist hier bestimmt von Zäunen, man kann es nicht an diesem oder jenen festmachen, aber man fühlt sich direkt nicht wohl. Da braucht es nicht den Seitenstrang um vergifteten Boden und Gewässer in der Nachbarschaft.

„To the Wonder" ist wieder komplett von einem symphonischen Score unterlegt. Figuren sprechen selten vor der Kamera, brauchen sie auch nicht, denn die kurzen, manchmal traumhaft schönen Einstellungen ergänzen sich zu intensiven Gefühlen. Ben Affleck („Argo", „Pearl Harbour") steht der steife, immer mehr sich zurückziehende Mann. Olga Kurylenko („James Bond 007 – Ein Quantum Trost", „7 Psychos") gibt ein ganz fragiles Wesen, zu dem die Leichtigkeit von Malicks Aufnahmen passen: Wassernebel schweben ebenso durch die Bilder wie Tücher oder Staubteilchen im Luftzug. So ist „To the Wonder" vielleicht tatsächlich ein schwächerer Malick, aber immer noch einzigartig und herausragend im allgemeinen Rauschen des Kinos. Auf jeden Fall sehenswert und mit das Beste, was gerade im Kino läuft.

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