6.5.13

Smashed

USA 2012 (Smashed) Regie: James Ponsoldt, Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul, Octavia Spencer, Nick Offerman, 81 Min., FSK: ab 12

Es vergehen gerade mal eine Viertelstunde Film oder 24 Stunden Leben und Kate (Mary Elizabeth Winstead) hat eine heftige Nacht durchgezecht, vor ihrer Grundschul-Schulklasse gekotzt, bei ihrer Chefin eine Schwangerschaft vorgetäuscht, sich auf Crack ihr Auto stehlen lassen. Die Musik macht auf fröhlich, doch der Spaß ist trotz des sympathischen Gesichts der jungen Alkoholikerin bald vorbei. Sie pinkelt im Supermarkt zwischen den Regalen, wacht irgendwo an der Kanalisation aus dem Sauf-Koma auf. Ein erster Schluck Bier morgens unter der Dusche, einen aus dem Flachmann kurz vor der Arbeit. Kate ist tatsächlich sehr sympathisch - eigentlich und nur auf einem schmalen Grat. Vorher und nachher ist sie schwer erträglich.

Ihr spießiger Kollege Dave, der sich als seit neun Jahren nüchtern zu erkennen gibt, bringt sie endlich zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker, denn ihre Zustände haben sich von „peinlich zu beängstigend" entwickelt. Das größte Problem für Kate, die schon immer viel getrunken hat, ist dass alle, die sie kennt, ebenfalls Säufer sind. Bei der Mutter, die Kate will endlich mal wieder besucht, kulminiert das gesellschaftliche Problem, einfach mal nur ein Glas Wasser zu trinken. Weil halt auch die Mutter Alkoholikerin ist. Der kurze, kluge und sehr lebensnahe Film konzentriert sich auf die Auswirkungen des Ernüchterns auf eine Beziehung. Unter Tränen muss Kate erkennen „Ich kann nicht nüchtern und mit dir zusammen sein."

„Smashed" macht nicht auf Drama im Hollywood-Sinn, ist kein „Leaving Las Vegas". Dafür glaubt man, dass Kate und die anderen echte Menschen sind, man kommt ihnen nahe, fühlt mit. Nicht allein wegen der Handkamera sondern auch über das hervorragende Spiel von Mary Elizabeth Winstead („Abraham Lincoln Vampirjäger", „Death Proof - Todsicher"). Dass dies kein „Problemfilm" ist und einiges allgemeingültig ist, macht ein Satz von Kates Patin klar: Alle Menschen erführen das Leben mal als seltsam und frustrierend. Wobei die Anonymen Alkoholiker Mittel hätten, damit umzugehen. Wenn nach einem Jahr Nüchternheit das weitere Leben des Paares parallel gezeigt wird, macht der sensible Film das nicht besserwisserisch, sondern einfach nur traurig. Offen bleibt, ob Kate auch die Stärke gewinnt, sich aus der Abhängigkeit von einer ungesunden Beziehung zu lösen.

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