6.5.13

Schimpansen

USA 2012 (Chimpanzee) Regie: Alastair Fothergill, Mark Linfield 78 Min., FSK: o.A.

Eine „Geschichte mit Drama, Trauer und Freude" soll es werden, und dieses Affentheater hält, was Disney androht. Das Lebensdrama eines kleinen Schimpansen, der nach dem Tode seiner Eltern von einer anderen Sippe „adoptiert" wurde, ist eine vom Erzähler lustig interpretierte Inszenierung von Bildern, die schon ein wenig Sachverstand als manipulativ missbraucht erkennen lässt. Da heißen die Figuren Oscar und Scar, da wird Trauer oder Glück in die Gesichter behauptet. Anfangs beutet „Schimpansen" auch noch geschickt die Niedlichkeit seiner „Hauptfigur" aus - die Ähnlichkeiten zu „Bambi" sind unüberhörbar.

Doch mit der größten Unverschämtheit trumpft der angebliche „Tierfilm" gleich zu Beginn auf: Ein flotter Jazz Club-Song setzt eine ganz üble Tradition fort, schwarzen Jazz mit Affen in Verbindung zu bringen. Ja, auch das „Dschungelbuch" ist da nicht ohne! Massiver wirkt jedoch die andere üble -Disney-Tradition, die Vermenschlichung von Tieren in vermeintlichen Dokumentationen. Denn die bedenkliche Verfälschung und Verwurstung von dokumentarischem Material erschreckt hier noch einmal besonders, auch wenn sich so mittlerweile wieder fast jeder Tierfilm verhält. Da braucht es nicht die „Enthüllung" eines Forschers, dass sich beispielsweise die rivalisierenden Familien in Realität nie hätten begegnen können, weil ihre Territorien hunderte Kilometer auseinander liegen.

Trotzdem bieten diese „Schimpansen" zwischen den furchtbaren Kommentaren immer noch eine tolle Biologie-Stunde und ein faszinierende Aufnahmen aus dem Urwald. Den enormen Aufwand der Produktion kann man nur an der Qualität der Bilder aus allen möglichen Winkeln und aus unglaublicher Nähe erahnen. Hinzu kommen reizvolle Szenen in Zeitraffer vom Wachstum des Dschungels oder Luftbilder der geschlossenen Pflanzendecke.

Den Hauptdarsteller soll übrigens mittlerweile das Schicksal von vielen Lassies und Free Willys ereilt haben: Reichtum und Ruhm konnten einen frühen Tod nicht verhindern. Am Ende bleibt die Frage, ob man noch etwas Gutes in einem Riesenhaufen Affen-Dung finden will.

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