28.5.13

Playoff

BRD, Frankreich, Israel 2011 Regie: Eran Riklis, mit Danny Huston, Mark Waschke, Amira Casar, Max Riemelt, Hanns Zischler 115 Min.

Von seinem ersten coolen Auftritt an ist dies ein starker Film von Danny Huston. Er spielt den Star-Trainer Max Stoller, der mit Maccabi Tel Aviv Europameister wurde, und nun die Basketball-Nationalmannschaft zur Olympiade 1984 in Los Angeles führen soll. Dabei weigert sich der charismatische Mann, Deutsch zu sprechen und weicht Pressefragen über seine Vergangenheit unter den Nazis aus. Dabei ist er bei seiner Rückkehr in die Heimatstadt Frankfurt nach Jahrzehnten durchaus berührt, als er in seiner alten Wohnung, die nun von einer alleinstehenden Türkin bewohnt wird, einen alten Stuhl aus der Möbelmanufaktur seiner Familie findet. Fortan legt sich Stoller vor allem mit dem Mannschaftskapitän Thomas (Max Riemelt) an, dessen Vater sich als Wehrmachtssoldat erschossen hat. Gleichzeitig versucht der stille Trainer, der Türkin Deniz (eindrucksvoll: Amira Casar) bei der Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann zu helfen. Stoller erweist sich groß in seiner Hilfe, aber braucht sie selbst am meisten...

Es ist nicht nur das Rätsel um den Tod von Stollers Vater, die dem exzellenten Film vom Israeli Eran Riklis („Cup Final", „Die syrische Braut", „Lemon Tree", „Die Reise des Personalmanagers") seine Kraft gibt. „Playoff", der auf einer wahren Begebenheit um den legendären Coach Ralph Klein basiert, ist psychologisch gleich auf mehreren Ebenen höchst spannend: Die Begegnung mit der Vergangenheit, die Anziehung durch eine fremde Frau, die Differenzen im Team, das Deutschland der 80er-Jahre, das gerade Dank des Eurovisions Grand Prix „Ein bisschen Frieden" gewonnen hat. Die exzellente und exakte Kamera-Arbeit von Rainer Klausmann zeigt es leicht angegraut auf eine derart selten gesehene, aber sehr stimmige Weise. Der Streit zwischen den Kindern der Opfer und den Kindern der Täter auf der einen Seite und das große Verständnis für Deniz Tochter Selma, weil auch Stoller in einem fremden Land groß werden musste, spannen einen historischen Bogen, der in einem der vielen kleinen Scherze ausgemessen wird: „Wir brauchten 40 Jahre, um von Israel nach Ägypten zu kommen, dabei ist es ein Spaziergang von drei Stunden", beschreibt Stoller ein israelisches Dilemma.

Huston gewinnt mit einer eindrucksvollen Präsenz und sagenhaftem Spiel. Der sehr kluge und komplexe Film ist aber auch in den deutschen Rollen toll besetzt: Neben Max Riemelt als trotzigem Kapitän darf Irm Hermann die Bäckersfrau geben. Selten erhielt übrigens ein Stück Schwarzwälder Kirsch so eine große dramaturgische Bedeutung. Als Stoller in einer sehr bewegenden Szene endlich einbricht, erinnert das an den Madelaine-Moment von Proust.

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