13.5.13

Paradies: Hoffnung

Österreich, BRD, Frankreich, 2012 Regie: Ulrich Seidl, mit Melanie Lenz, Joseph Lorenz, Michael Thomas, 92 Min. FSK: ab 12

Der Abschluss einer Trilogie sollte „die Sache" im besten Falle „rund" machen. Wenn das Diät-Paradies in Folge der ersten beiden Teile „Liebe" und „Glaube" allerding zu billigem Spott verführt, muss es zu mager ausgefallen sein. Und Ulrich Seidl sich die Frage gefallen lassen, ob das Material wirklich für drei Teile ausreichend war.

Was bisher geschah: Eine frustrierte, üppige Krankenschwester findet auch mit gekauften Loverboys im Afrika-Urlaub nicht das „Paradies: Liebe" (Cannes 2012). Ihre Schwester findet zwar durch Einführung eines Kreuzes mit dem Lieben Herrn Jesu und Kasteiung davor oder danach Befriedigung, doch der Ex-Mann, der im Rollstuhl zum strammen Muslim wurde, nimmt dem „Paradies: Glaube" zumindest das Alleinstellungsmerkmal und auch irgendwie die Reinheit der ausgestellten Barmherzigkeit (Venedig 2012).

Nun muss Melanie (Melanie Lenz), die übergewichtige Tochter der Liebes-Suchenden und Nichte der Gläubigen, rein in ein Diät-Camp und raus kommt ein dünner Film. Die Teenie-Gespräche der 13-Jährigen mit anderen Häftlingen der Österreicher Volks- und Sprachangehörigkeit könnten Doku-Soap sein. Oder Parodie. Zuerst wird altersentsprechend heimlich gefeiert, gesoffen, geraucht und gegessen. Die Verliebtheit Melanies in den schleimigen Diät-Arzt - ein naiver Kleine-Mädchen-Casanova - könnte zu einem spannenden Konflikt führen, doch alles läuft derart unterkomplex ab, dass erst die fast letzte Szene mit der coma-betrunkenen „Melli" und dem auf einer Waldlichtung an ihr herumschnüffelnden Arzt die Abstrusität üblicher Seidl-Geschichten hat. Der militärische Drill des schmierigen Sportlehrers und die immer wieder in albernen Formationen ins Bild gebrachte Kindergruppe des Guantanamo-Light-Imitats irgendwo in den Voralpen ist höchstens dekorativ und nur beim ersten Mal unterhaltsam. Hier laufen selbst die genau Kadrierungen Seidls, die es jetzt auch in eine Foto-Ausstellungen schafften, ins Leere. Das Spiel der nicht professionellen Melanie überzeugt nur in diesem Rahmen und stellt mit etwas Distanz betrachtet, die Frage, die Seidls Filme zwischen echtem Leben und Inszenierung sonst stellen. Wird es diesem jungen Menschen gut tun, so präsentiert oder gar vorgeführt zu werden. Es wird hoffentlich keine Folge-Doku über das Schicksal der Melanie L. geben.

Bis auf ein paar Insider-Scherze bringt die Verbindung der drei „Paradies"-Filme auch keinen Mehrwert, die Bezeichnung Trilogie ist dafür stark übertrieben. Die Hoffnung auf ein gutes oder sogar der Glaube an ein gesteigertes Ende der Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl verflogen nach wenigen Minuten.

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