15.5.13

Der große Gatsby (2013)

USA, Australien 2013 (The great Gatsby) Regie: Baz Luhrmann, mit Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton 143 Min.

Die große Premiere-Party fand in Cannes statt, deshalb übersetzen wir den Titel mal frei französisch in „Das große Deja vu". Man fragt sich bei der Neuverfilmung des Romans von F. Scott Fitzgerald und des Films mit Robert Redford aus 1974 (siehe DVD-Spalte) nicht nur, was Leonardo DiCaprio in Luhrmanns Vorgänger „Moulin Rouge" macht. Tobey Maguire erweist sich im Vergleich mit Ewan McGregor als der schwächere Erzähler und „Der große Gatsby" als der kleinere Film. Ein großes Spektakel ist es trotzdem - um mit Fitzgerald zu schreiben: ein Kaleidoskopischer Karneval...

Im Frühjahr 1922 zieht New York zieht der Möchtegern-Autor Nick Carraway (Tobey Maguire) nach New York, um am Börsenboom der Wall Street mitzuverdienen. Seine entfernte Cousine Daisy Buchanan (Carey Mulligan) wohnt mit ihrem reichen Ehemann Tom (Joel Edgerton) am gegenüberliegenden Ufer der Bucht. Neben Nick thront das Anwesen von Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio), der ausufernde Parties schmeißt, zu denen halb New York herausfährt. Dass der arme („pennyless") Broker Nick als einziger wirklich eingeladen wird und der geheimnisvolle, unnahbare Gatsby seine Nähe geradezu aufdringlich sucht, hängt nur mit Carraways Verwandtschaft zu Daisy zusammen. Denn die eindrucksvolle Fassade von Reichtum, Prominenz und Lebensgenuss inszeniert Gatsby allein, um nach fünf Jahren der Trennung seine große Liebe Daisy wieder zu erobern.

Baz Luhrmanns neues Spektakel „Der große Gatsby" ähnelt in frappierend vielen Facetten seinem großen Meisterwerk „Moulin Rouge": Die Rahmenerzählung eines gebrochenen Autors an der Schreibmaschine, der wirbelnde Dirigent, der wahnsinnige Pianist, das Duell zwischen dem reichen und dem bettelarmen Verehrer. Dazu rasende Fahrten ins Zentrum der Party, diesmal über einen See, wobei eine Boje mit grünem Licht der Sehnsucht die rote Windmühle aus „Moulin Rouge" ersetzt.

Es ist gut nachvollziehbar, wie sehr die Opulenz der Zwanziger Baz Luhrmann gereizt hat: Der Art Deca-Stil, die wirbelnden Kleider im irren Charleston-Takt, ein „chemical madness" aus Pillen und Alkohol sowie selbstverständlich der Jazz in Zeiten von Prohibition. In einer kleineren Rausch-Szene eröffnen sich für den Beobachter Nick, der immer mittendrin, aber nie wirklich dazugehörig ist, in den Fenstern der gegenüberliegenden Fassade der unerschöpfliche Reichtum des Lebens. So ein magischer, fesselnder und berauschender Ausschnitt bietet auch „Der Große Gatsby" in vielen Momenten.

Wie immer ist der Soundtrack bei Luhrmann ein besonderer Hit: Verführten einst Lady Marmalade mit „Voulez vous coucher avec moi" ins wilde Paris, so ist es jetzt ein genialer Griff, das unter anderem Bryan Ferry mit dem stilgemäßen Bryan Ferry Orchestra "Love is the drug" und andere musikalische Anachronismen ins Mikro schmachtet.

Optisch kann man sich das 3D bis auf einige Effekten, die in New York den Sturz der Banken und der Banker vorwegnehmen sparen. Bemerkenswert nur noch ein paar feinere ästhetische Versuche, wie das Schneetreiben von Buchstaben im Winter der Erinnerung Carraways.

Leonardo DiCaprio steht der charismatische Millionär hervorragend, ein Flugboot-Verweis auf seine Rolle als Howard Hughes macht reiche Erfahrung auf diesem Gebiet noch klarer. Auch wenn Gatsby zusammenbricht und, im Innersten unsicher, um Anerkennung bettelt, vermögen das wohl wenige so glaubhaft darzustellen. Die Figur der Daisy kommt trotz Carey Mulligan („Shame", „Drive") Einiges zu kurz, denn wenn man den Vergleich zu Ende treibt, ist dies eigentlich die Liebesgeschichte von Carraway und Gatsby.

Das Original-Drehbuch stammte von Francis Ford Coppola, die Beziehung zur Bankenkrise von 2008 ist trotzdem offensichtlich, der Hype, der überbordende Lebensstil, die Blase von der Börse bis zu aufgeblasenen Persönlichkeiten mit ganz dünnen Innenleben. Aber letztlich, auch wenn in der Luhrmann-typischen Signatur dieses Films „Ein Leben in Angst ist nur ein halbes Leben" steht, ist das wirklich Große an Gatsby seine unerschöpfliche Hoffnung, die für Liebe Berge versetzt.

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