22.5.13

Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte

BRD 2012 Regie: Steffen Zacke, mit Hanna Merki, Michael Kranz, Jasmin Barbara Mairhofer, Oliver Karbus, 89 Min.

Märchen sind beliebt bei groß und klein. Wobei man hier von großen und kleinen Produktionen reden kann: Schneewittchen wurde gleich zwei Mal in einer üppigen Hollywood-Version verpunkt. Mal geht es mit Horror im Körbchen in den Wald, mal ähnelt die Fantasy den grimmigen Filmen von Terry Gilliam. Dagegen scheint es eine kleine deutsche Gesellschaft schwer zu haben, doch es gibt sicher auch das eine oder andere Märchen, dass vom Erfolg eines Däumlings gegen übermächtige Riesen erzählt. So gelingt es dem „Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte" mit viel Witz und Charme zu begeistern.

Prinzessin Clara (Hanna Merki) ist das Aschenbrödel am Hofe. Ein Tollpatsch und einzige sympathische Person hinter den sieben Bergen, dazu wird sie von der Schwester und deren Freundinnen zum hässlichen Entlein gemacht. Alle sagen ihr, sie würde niemals eine richtige Prinzessin sein. Da ist guter Rat teuer, zumal ausgerechnet der Hofnarr Michel ihr Berater ist. Clara gesteht sich in der klassischen Spiegel-Szene ein: „Ich schaffe es einfach nicht, so zu sein, wie die anderen es wollen." Sie kann einfach nicht wie eine richtige Prinzessin sein. Die letztendliche Lösung (auch von 99 Prozent der anderen Kinderfilme), zu akzeptieren, wie man ist, verkündet der Narr schon nach zwanzig Minuten. Doch Clara glaubt, sie müsse nun wie in einem Märchen ihr Glück finden und probiert einige Vorlagen aus.

Auch den Rest könnte man als vorhersehbar zur Seite legen: Ein paar Animationen gemäß Märchenbuch sorgen für witzige Variationen bekannter Geschichten. Doch Clara kann halt den Frosch nicht an die Wand werfen. Frösche küssen in Serie ist jedoch machbar - bis sich einer wenigstens in ein Huhn verwandelt.
Auch die Sache mit dem Rotkäppchen klappt nicht richtig, weil die schwerhörige Großmutter eine mehrere Meter lange rote Mütze strickt. Alles scheitert auf herrlich komische Weise bis Prinz Ermelin (Pascal Andres) mit einem selbstgeschnitzten Fahrrad auftaucht: Komm mit mir, dann können wir gemeinsam seltsam sein...

Nur auf den ersten Blick ist „Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte" auf Basis von Susanne Straßers gleichnamigem Kinderbuch in Schauspiel und Inszenierung bodenständig. Da ergeht es dem Film wie der Prinzessin Clara, an Äußerlichkeiten haben beide nicht viel zu bieten, aber sie haben das Herz am richtigen Fleck und gewinnen die richtigen Zuschauer mit viel Charme. Großen Anteil daran hat die sympathische Hauptdarstellerin Hanna Merki. Dank der kecken Art und Dickköpfigkeit ihrer Clara wird das „Märchen" zu einem sympathischen Zeitvertreib, der auf beste Weise an Kinder- und Jugendfilme „aus dem Osten" erinnert. Aber das ist wieder ein anderes Märchen aus alten Zeiten.

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