10.4.13

Mademoiselle Populaire

Frankreich, Belgien 2012 (Populaire) Regie: Régis Roinsard mit Déborah François, Romain Duris, Bérénice Bejo, Shaun Benson 111 Min.

Der Triumph der Sekretärinnen ist einerseits einfach eine Schreibmaschine namens Triumph, andererseits auch eine ganz spezielle Emanzipationsgeschichte zwischen Aufstieg und Ausbeutung, Spezialisierung und Sexismus. „Mademoiselle Populaire" nimmt das im 50er Jahre-Dekor alles sehr leicht und luftig komödiantisch: Die junge Rose schreibt zuerst ihren Namen im „Adler-Such-System" auf eine alte Triumph im Laden ihres Vaters. Das Prinzip „Ich tippe, also bin ich" setzt sich bei der Bewerbung für einen ersten Job fort. Mit dem Chef Louise ergibt sich beim Einstellungsgespräch eine schwierige Beziehung, man könnte auch sagen, es klickt sofort ... nicht. Aber es klappert, als Rose rasant in die Tasten haut und die exakte Kopie eines Briefes abtippt (in Zeiten lange vor Kopierer und Scanner), stellt er den suchenden Blick nach einer anderen Sekretärin ein. Dass sich dabei ihr Haar löst und das Kleid von der Schulter rutscht, gehört in die Abteilung des Sexual-Objektes Sekretärin. Bis es allerdings zu so einer Zusammenarbeit kommt, bleibt Zeit für viel Humor und ein kleines Drama.

Nach einem frustrierenden ersten Schnellschreib-Wettbewerb System, begleitet von flottem Franco-Rock, geht es zu Louis nach Hause, ins Trainingslager für Sekretärinnen. Als förderungswürdiges Talent sieht er sie vor allem, nach einem Fahrradsturz sorgt er sich erst um ihre Hände. Auf dem Weg zur französischen Meisterschaft bleibt er der Schüchterne, der sich nicht traut. Im umgedrehten Rollenspiel kocht und wäscht er für sie. Und auch sein Rumzicken auf Basis von Unsicherheit und falsch verstandener Fürsorge kompliziert die Liebesgeschichte. Allein macht Rose Karriere als Werbe-Ikone, bekommt eine rosa Schreibmaschinen-Serie und den „Tcha-tscha de la secrétaire" auf den Leib geschrieben. Autogramme tippt die nun populäre Werbefigur für die Schreibmaschine namens Populaire selbstverständlich mit Farbband und Typenhebeln. Mit neuem Team und vor allem ohne Louis auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in New York, stimmt jedoch nichts mehr...

„Mademoiselle Populaire" bietet eine herrliche Retro-Inszenierung, bei der Anzüge, Kleider, Möbel, Autos und selbst die Bonbon-Farben des Films Spaß machen. So historisch situiert nimmt man dem Humor nicht übel, im Stile der Doris Day-Komödien auch auf Kosten der sympathisch tollpatschigen Heldin zu gehen. Denn auch Louis ist niedlich, wenn er nicht weiß wohin mit einem in der Waschmaschine vergessenen BH. Die nicht nur für ein Debüt exzellent gemachte Komödie hat bestechend komische Szenen, wie das Messerspielchen, mit dem Louis Piano-Unterricht für Rose herauspresst und sich eine Handverletzung zuzieht. Ab und zu wird es gar poetisch, wenn ein Windzug den ganzen Raum mit schwebenden Blättern um ihre wehenden Haare füllt. Die finale Liebeserklärung findet ein vielsprachiges Echo bei den Sekretärinnen aus aller Welt.

Der ansonsten immer wilde Romain Duris („Gadjo Dilo") ist als Büro-Chef im Anzug kaum wiederzuerkennen und man wünscht dem verklemmten Männlein einen Ausbruch wie in früheren Rollen. Ein Wiedersehen in Nebenrolle als Piano-Lehrerin Marie gibt es mit Bérénice Bejo, dem Star aus „The Artist". Allein, wenn es Rose scheinbar ungeliebt überhaupt nicht glücklich macht, eine „moderne Frau" zu sein und einfach nur Frau sein möchte, spielt ganz kurz der kulturhistorische Komplex hinein, den Friedrich Kittler so treffend und ähnlich unterhaltsam 1985 in seinen Buch „Aufschreibesysteme 1800 · 1900" beschrieb. So ist die leichte Komödie irgendwie auch eine gute Literaturverfilmung.

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