17.3.13

Spring Breakers

USA 2012 (Spring Breakers) Regie: Harmony Korine mit James Franco, Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson, Rachel Korine, Heather Morris 92 Min.

„Spring Breakers" ist eine Breitseite us-amerikanischer (Jugend-) Kultur und springt den gepflegten Kinobesucher heftig an: Spring Break in den USA - hüpfende Brüste, Koma-Saufen im großen Stil, Kiffen, Koksen... Und das ist erst der Vorspann! Da diese große Studentenparty im Frühling ja in der amerikanischen Verfassung von den Gründungsvätern festgeschrieben wurde, müssen vier Freundinnen auch unbedingt nach Florida. Jeden Tag die gleiche Uni, das ist menschenunwürdig! Die dunkelhaarige Faith, die tatsächlich in einer Bet-Gruppe ist, und drei Blondvariationen Cotty, Candy und Britt, die auch nach 88 aufregenden Minuten keine Unze Individualität bekommen haben. Letztere rauben aus Geldmangel mal schnell einen Imbiss aus, die Kamera umrundet den Laden dabei sagenhaft elegant, und ab geht die Party.

Im Flow der Bilder und Töne unterscheiden sich die vier Mädels nicht von den tausend anderen, die sich an Floridas Küste die Kante geben. Puritanisch ist da nichts mehr. Erst als sie verhaftet und von einem Rapper namens Alien (genial: James Franco) per Kaution ausgelöst werden, startet die Story durch. Diese Witzfigur mit einer Frontreihe von Metallzähnen, weiten Kinderhosen und einer Sneaker-Sammlung erweist sich als ganz großer Gangster, der in seiner Wohnung „Scarface" auf Endlosschleife laufen lässt und überall Drogen, Geldbündel und Maschinengewehre stapelt. Während Faith das jetzt doch zu bunt wird, finden die anderen drei das jetzt keinen Hauch erschreckend, bedrohlich, kriminell oder so was - nur geil. Im Gegenteil, beim Sexspielchen mit geladenen Pistolen bekommt man eher um den Gangster Sorge, der plötzlich zwei von den Dingern tief im Mund stecken hat. Da der gehypte Regisseur Harmony Korine in seinem Kino-Trip nie Tempo rausnimmt, kommt der kurze Film jetzt auch schon zum Gangster-Krieg und die in all ihrer Party-geilen Blondheit ziemlich emanzipierten Mädels machen fröhlich mit - in rosa Pussy-Riot-Sturmhauben und selbstverständlich weiterhin im Bikini, den sie Zweidrittel des Films anhaben.

Der 1973 geborene Harmony Korine ist Legende, seit er mit 21 Jahren von Larry Clark entdeckt wurde und das Drehbuch für „Kids" schrieb. „Spring Breakers" liefert viele Vorlagen für moralinsaure Aufregung. Aber er zeigt auch, wie gut Korine als Regisseur ist. Wer die Nacktheit und die Plattitüden dabei nur als Oberfläche begreift, ist selbst schuld. Und wird einen kraftvollen Einschlag in die Filmgeschichte verpassen.

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