11.3.13

Sofia‘s Last Ambulance

Bulgarien, BRD, Kroatien 2012 (Poslednata lineika na Sofia) Regie: Ilian Metev 75 Min.

Rettungsfahrer Plamen rast durch Sofia, sodass die Krankenschwester Mila sich angsterfüllt irgendwo im Cockpit festklammert. Nur der grauhaarige Rettungsarzt Krassi bleibt immer ruhig. Es geht zu Unfallopfern, Drogensüchtigen, Zusammenbrüchen und auch zu Leichen. Denn dieser Rettungswagen ist einer der nur 13 Ambulanzen, die in der bulgarischen Hauptstadt Sofia für zwei Millionen Menschen unterwegs ist und da scheint es normal zu sein, dass auf der Warteliste fast 20 dringende Notfälle abzuarbeiten sind. Obwohl sich Ilian Metev in seinem Dokumentarfilm konsequent auf seine drei Protagonisten konzentriert, entwickelt sich bei diesem Einblick langsam die Außenperspektive einer haarsträubenden Gesundheitssituation mit.

Anders als bei der Flut von sogenannten Reality-Formaten und Scripted Reality im Privaten Fernsehen, kommt die konzentrierte Beobachtung ihren Figuren ohne abgefragte Seelenbekenntnisse nahe. Nicht weil die Kameras erstaunlich dicht dran sind und die Erschöpfung von zu vielen Überstunden festhalten. Oder die Anspannung von Mila, wenn für ihren Geschmack wieder zu schnell zum Einsatzort gerast wird und sie die Jungfrau Liliana anfleht. Einnehmend ist auch der Rhythmus von ruhigen Gesprächen und Zigarettenpausen, die mit den Amaturenbrett-Kameras aufgenommen werden, sowie hektischen Einsatz-Szenen, bei denen eine Handkameras dabei ist. Das wird dann auch mal spannend, immerhin geht es um Leben und Tod.

Die drei vom Rettungswagen zeigen sich gut gelaunt und engagiert, selbst wenn sie ohne Einsatz wieder zurückfahren, weil sie die eigene Notrufzentrale nicht erreichen und in einer Warteschleife hängen. Zwischendurch pflücken sie sich frisches Obst von einem Baum und schauen erschreckt wegen der ernsten Warnung: „Und passt auf, dass ihr nicht verprügelt werdet."

Ilian Metevs Langfilm-Debüt, das bei seiner Premiere in Cannes mit dem Visionary Award der Semaine de la Critique ausgezeichnet wurde, behält konsequent seinen Blick auf die drei Protagonisten bei. Wir sehen kaum jemand anderen, ganz selten mal die Sicht des Fahrers. Wir blicken im Prinzip in eine Blase, was nur kurzzeitig irritiert, weil sich diese Innenperspektive als sehr fesselnd erweist. Der Reiz dieser außergewöhnlichen, „puren" Dokumentation liegt auch in ihrer nüchternen Betrachtung, in ihrer stilistischen Reinheit.

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