16.3.13

John Howard - über Titel und Rekorde zum entschleunigten Sporten

Radsport-Ferien auf Mallorca mit Fred Rompelberg sind trotz des Mottos „alles geht, nichts muss" von einem starken Leistungsgedanken beschattet. Kein Wunder, wenn der Chef überall mit Fred 268km/h signiert und immer noch den Geschwindigkeits-Weltrekord auf dem Fahrrad hält. Auf einem amerikanischen Salzsee fuhr er eben diese 268km/h eine Meile lang. Da erstaunt es um so mehr, Rompelbergs Vorgänger kennenzulernen: Auch in diesem Frühjahr war der Amerikaner John Howard wieder auf Mallorca, diesmal mit einer ganzen Truppe überaus flott und gut fahrender US-Amerikaner. Die Liste von Erfolgen des 1947 geborenen Howard ist lang: Als Radrennfahrer nahm er an drei Olympiaden teil (1968, 1972, 1976) und gewann 1975 und 1976 die Coors International Bicycle Classic, 1981 gewann er den Ironman auf Hawaii, 1985 setzte er den Weltrekord für Fahrräder auf 245km/h. Erst zehn Jahre später brach Rompelberg diesen Rekord. 1987 fuhr er 593 Meilen in 24 Stunden! Ja, das geht: Man muss nur die 40km/h pro Stunde durchhalten!!! Und dann gibt es aus dem Jahr 2000 auch noch einen 24-Stunden-Rekord im Kanu-Fahren, den er aber ganz bescheiden der pedalbetriebenen Kanu-Konstruktion seines Bruders zuschreibt.

Auf die Frage, wie er sich mit Fred Rompelberg, dessen 268km/h-Leihrad er fährt, versteht, antwortet Howard überraschend: „Ich bin froh, dass er mir den Rekord abgenommen hat!" Auch die weiteren Einsichten passen so gar nicht ins Bild eines Rekord-Jägers und Leistungs-Sportlers auf vielen Gebieten. Die ganzen Rekorde und Titel hätten ihm den Weg zu seiner eigenen Kreativität verstellt, meint er nun bei einem Glas Sangria in der ganzflächig mit Radtrikots behängten Kult-Kneipe „Frank & Carmen„ an der Playa de Palma. Mit Kreativität verbindet er heute das Schreiben: Fünf Rad-Ratgeber hat er bisher in den USA veröffentlicht. „Mastering Cycling", das neueste, ist ganz frisch herausgekommen. Richtig schwärmt er dann von seinem nächsten Buch, das er mit einem Ko-Autoren schreibt. Ein legendärer schwarzer Sprintstar wird die Hauptfigur in diesem ersten Roman von Howard!

„Wenn man mit einem von Ehrgeiz und Leiden verzerrtem Gesicht fährt, kann das nicht gesund sein," sagt einer, der noch mit den jungen Rasergruppen mithalten könnte, aber lieber in einer sogenannten Tour-Gruppe (mit Stundenmitteln von 25-30km/h und Strecken um die 100km) mitrollt. Nur am ersten von vier Bergen spielt er vorne mit, dann begleitet er Fahrer seines Teams nach oben. Was dann wieder passt, ist die Freude am Fahren, die Howard selbst vermittelt und weiter gibt: Unter den tausenden Radsport-Touristen ist John vielleicht derjenige, der am meisten genießt. Obwohl seine beste Schülerin, die mehrfache US-Meisterin Denise Mueller, ihn vielleicht übertrifft, wenn sie immer mal wieder freudig aufjauchzend die grandiosen Blicke - auch mit einem sturzgepolsterten iPhone - aufnimmt. Die Sportlerin mit einer Mutter aus Düsseldorf führt dreizehn U.S.-Meisterschaften und zwei Weltmeisterschafts-Medaillen in ihrer Ehrenliste auf, unter anderem in der Disziplin Downhill. Nach zwanzig Jahren Mutterschafts-Auszeit vom Leistungssport will sie vielleicht wieder Rennen fahren. Nebenbei lief sie in der vergangenen Woche zwei Marathons auf zwei Kontinenten, wegen Wetterproblemen wurden es dann zwei Marathons in drei Tagen! Die Zeiten seien ihr dabei nicht wichtig gewesen.

Wie es denn zu seiner entschleunigten Philosophie passe, dass Denise wieder Rennen fahren will? Stolz geht der Blick des Meisters, der Leistungsdruck und Extrem-Sport auf ungewöhnliche Weise gemeistert hat, zu seiner Schülerin: Sie sei ein Naturtalent im Genießen.

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