1.2.13

Parker

USA 2012 (Parker) Regie: Taylor Hackford mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis 118 Min.

Zieht euch warm an, ihr Krimifans. Dieses neue Mäntelchen aus einem Richard Stark-Stoff lässt einen trotz des Heist-Settings im sonnigen Palm Beach eindeutig kalt. Vielleicht wird dieser auf den Action-Eisblock Jason Statham zugeschnittene „Parker" den Genre-Freunden passen, aber bei zielgerechter Lieferung des Erwarteten sitzt an den entscheidenden Stellen etwas schief. Und an vielen dieser Stellen steht Jennifer Lopez deplatziert vor der Kamera.

Parker, der nach dem Ableben seines Autors Donald E. Westlake - mit Pseudonym Richard Stark - im Jahre 2008 endlich wie in den Romanen Parker heißen darf, bleibt immer cool und ungerührt. Selbst wenn bei einem großen Raubzug eine Sicherheitskraft in Panik gerät, redet der als Priester verkleidete Gangster (Jason Statham) dem Mann zu beruhigend zu, dass alles glatt verläuft. Bis zum Streit mit den Kumpanen im Fluchtauto. Am Ende liegt Parker geschunden auf der Straße, bekommt noch einen Gnadenschuss und wird in den Graben gerollt.

Doch er wird wieder aufstehen - nicht zum letzten und auch nicht zum ersten Mal. Am folgenden, gnadenlosen und unbeirrbaren Rachetrip des Todgeglaubten erkennt man den Autor Richard Stark wieder. Obwohl diesmal der Roman „Flashfire" („Irgendwann gibt jeder auf") Vorlage war, ähnelt die Handlung sehr dem Film „Point Blank" aus 1967 nach dem frühen Parker-Roman „The Hunter". Das dauernde Wiederauferstehen könnte man messianisch überinterpretieren, würde dann allerdings doch dieses Stöffchen überstrapazieren. Denn außer altmodisch sind die Geschichten vor allem übersichtlich. Auch der neue „Parker" rechnet der Reihe nach mit allen seinen Gegnern ab, wobei die Menge an schweren Verwundungen, die er einsteckt, eher an die Spielfigur Action-Jim als an Jesus erinnert.

Doch diese stringente Rache-Action ohne Schnickschnack, ausgeführt von einer unerschütterlichen Männerfigur kommt an. Selbst übel zugerichtet noch zielgerichtet - so entspannt möchte Mann sein, wenn im Supermarkt das Honigglas runterscheppert, das Smartphone schwungvoll hundert Meter über den Asphalt schliddert oder die Beziehungskrise das Wochenende versaut. Jason Statham transportiert Parker ganz gut. Er treibt den Minimalismus im Mimen-Spiel nicht auf die Spitze (siehe Lee Marvin in „Point Blank"), aber ganz schön weit.

Das wäre soweit so ok, wenn da nicht auch noch J-Lo ins Spiel käme. Gerade so coole Jungs wie Parker und sein Publikum wollen nicht eine Zicke (Jennifer Lopez) sehen, die ihm das Drehbuch ohne erotische oder romantische Chemie ans Bein geschrieben hat. Denn wahrscheinlich ist das Leben zuhause schon schwer genug. Das ist ein heftiger Stilbruch, der Einbruch eines Realitäts-Klischees ins Super-Männer-Genre. Das geht nicht!

J-Lo also als geschiedene, ausgenommene und frustrierte Immobilien-Maklerin in Palm Beach. Das würde mit den kleinen Frustrationen, wenn Parker sie auszieht, nur um nach Mikros zu suchen, mit den anderen Abweisungen, weil sie ja ach so unattraktiv ist, und mit den nervigen Zickereien in einer Komödie halbwegs funktionieren. Doch hier passt das zum Film, wie ihre Figur zum simplen, reduzierten und unterkühlten Parker.

Bevor dies nun ein Essay darüber wird, was gute Regisseure aus mäßig begabten Schauspielern machen, nur kurz der Soderbergh-Exkurs: Nie war Jennifer Lopez so gut wie 1998 in Steven Soderberghs „Out of Sight". Der Mann kann sogar eine Thaiboxerin zur Landwand-Ikone verwandeln, wie Gina Carano in „Hay Wire"! Seitdem noch mal von der Frau gehört? Genau! (Die tragische Geschichte, dass aus dem ersten Teil vom „Bennifer"-Traumpaar der gefeierter Regisseur Ben Affleck und das „-ifer" Lopez in der Hölle der Mittelmäßigkeit schmort, wird jetzt nicht weiter ausgebreitet.)

Der ultimative Vergleich mit Lee Marvin und „Point Blank", „der" Parker-Verfilmung, wäre ein unfairer, denn da war John Boorman der Regisseur. Auch wenn Taylor Hackford, der „Im Auftrag des Teufels" (1997), „When We Were Kings" (1996), „Dolores" (1995) oder „Ein Offizier und Gentleman"(1982) inszenierte, ein guter ist, dem man solche Serienarbeit nicht zumutete, er macht nichts Besonderes aus dem auch nicht wirklich vielschichtigen Material. Jason Statham will jedoch angeblich weiter machen und noch mehr Parker produzieren.

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