1.2.13

Cirque du Soleil - Traumwelten

USA 2012 Regie: Andrew Adamson (Cirque du Soleil: Worlds Away) mit Erica Linz, Igor Zaripov, Matt Gillanders 91 Min. FSK ab 6

Verträumtes Staunen ist Programm bei Cirque du Soleil, der legendären, zum Unterhaltungs-Unternehmen gewordenen Zirkus-Truppe, die ihre Akrobaten-Nummern mit einem poetischen Gespinsel aus fantastischen Kostümen und Geschichten umwebt. Nun, im ersten großen Kino-Film von Cirque du Soleil, bildet eine kleine Liebesgeschichte den dünnen Handlungsfaden, an dem wir durch die Show-Elemente der internationalen Truppe geführt werden: Mia, Besucherin eines bescheidenen Zirkus', versinkt durch den Manegen-Boden in eine Traumwelt, wo ein Conferencier sie auf ihrer Suche nach dem Trapez-Künstler begleitet.

Dank dieses Vorwands sehen wir ein Ballett auf und unter Wasser oder eine atemberaubend avancierte Barren-Übung auf einem pendelnden Luftschiff. Wie aus Ang Lees „Tiger & Dragon" entführt schweben dann asiatische Kämpfer an Drahtseilen auf einer senkrechten, interaktiven Bühnenwand, die Robert Lepage mit gewaltiger Hydraulik ähnlich in seinem Ring des Nibelungen an der Met einsetzte.

Doch schnell weiter, denn es gibt noch viel mehr zu Staunen für Alice oder Mia im Zirkusland: Ein putzmunteres Dreirad Be- oder Aufsitzer wird ihr Begleiter, führt sie zu Superhelden, die Trampolins rocken, und in ein Beatles-Medley mit Sgt. Pepper-Hommage. Hier ist Lucy wirklich in the Sky mit Diamanten-Kostüm, danach jongliert ein falscher Muskelmann ebenfalls in luftiger Höhe mit einem Kubus.

So um die 20 verschiedene Cirque du Soleil-Shows mit insgesamt mehr als 5000 Artisten sind weltweit in hunderten Städten zu sehen. Der Umsatz des Unternehmens wird bestimmt bald die Milliarden-Grenze erreichen, doch auch Entlassungen von mehreren Hundert Mitarbeitern tauchen im Wirtschaftsteil auf. Doch das Verzaubern beherrscht dieses McDonalds des Zirkuswesens immer noch:

Die Shows des Films in riesigen, hoch technisierten Bühnenkästen sind zeitweise bombastisch und vielfältig wie einst Robert Wilsons „Civil Wars". Während die Musik bei ihren Ausflügen zu bulgarischen Frauenchöre mit afrikanischer Männer-Solis auch mal nervig übertreibt, kommen viele wirklich erstaunliche Show-Nummern zu kurz. Die Abfolge wirkt gehetzt, man vermisst Applaus und Würdigung der tollen Leistungen. Auch stillere Programmpunkte gibt es in diesem Film nicht.

Für die 3D-Wiedergabe von Bühnen-Nummern ist Wim Wenders' „Pina" zum Maßstab geworden. Der wird durch diesen „Cirque de Soleil" trotz laut verbreiteter Mitarbeit von James Cameron nicht erreicht. Nie ist man mittendrin im Gewusel poetischer Einfälle. Höchstens manchmal näher dran, aber dann auch schneller wieder weg als gewünscht. Gerade der Versuch, den Raum mit seiner Tiefe und den vielfältigen Handlungen einzufangen, scheitert durch sprunghaften Schnitt. Nur das finale in den Seilen Hängen der Verliebten, die sich endlich gefunden haben, ist zu lang. Auch wenn man die kitschige Romanze tatsächlich dringend zum Auslüften raushängen muss.

Letztendlich ist die circensische Nummern-Revue mit vielen Höhepunkten aber auch mit Albernheiten in Form von Synchronschwimm-Klischees ein schöner und nicht allzu langer Trailer für die Bühnenshow. Vielleicht gar keine schlechte Marketing-Idee.

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