8.2.13

Berlinale 2013 Paradies: Hoffnung


Regie: Ulrich Seidl

Wettbewerb

Nein, da half auch nicht die Nachfrage beim hochverehrten Kollegen, der den Film schon am Schneidetisch gesehen hatte und darin Trash-Qualitäten entdeckte.... (Berlinale ist ... an jeder Haltestelle wartet nicht nur ein weiterführendes ÖPNVsmittel sondern auch ein ebensolches Gespräch ...) Die Hoffnung auf ein gutes oder sogar der Glaube an ein gesteigertes Ende der Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl verflogen nach wenigen Minuten.

Was bisher geschah: Eine frustrierte, üppige Krankenschwester findet auch mit gekauften Loverboys im Afrika-Urlaub nicht das „Paradies: Liebe“ (Cannes 2012). Ihre Schwester findet zwar durch Einführung eines Kreuzes mit dem Lieben Herrn Jesu und Kasteiung davor oder danach Befriedigung, doch der Ex-Mann, der im Rollstuhl zum strammen Muslim wurde, nimmt dem „Paradies: Glaube“ zumindest das Alleinstellungsmerkmal und auch irgendwie die Reinheit der ausgestellten Barmherzigkeit (Venedig 2012).

Nun muss Melanie, die übergewichtige Tochter der Krankenschwester, rein in ein Diät-Camp und raus kommt ein dünner Film. Die Teenie-Gespräche der 13-Jährigen mit anderen Häftlingen der Österreicher Völksangehörigkeit könnten nur als Parodie noch interessieren. Die Verliebtheit in den schleimigen Arzt, ein naiver Kleine-Mädchen-Casanova, könnte zu einem spannenden Konflikt führen, doch alles läuft derart unterkomplex ab, dass erst die fast letzte Szene mit der coma-betrunkenen „Melli“ und dem auf einer Waldlichtung an ihr herumschnüffelnden Arzt die Abstrusität üblicher Seidl-Geschichten hat. Der militärische Drill des schmierigen Sportlehrers und die immer wieder in albernen Formationen ins Bild gebrachte Kindergruppe des Guantanamo-Light-Imitats irgendwo in den Voralpen ist höchstens dekorativ und nur beim ersten Mal unterhaltsam. Bis auf ein paar Insider-Scherze bringt die Verbindung der drei „Paradies“-Filme auch keinen Mehrwert, die Bezeichnung Trilogie ist dafür stark übertrieben.

Die Heimweg-Begegnung hatte „Trash“ als Antwort. Diät-Film trifft es besser.

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