7.2.13

Berlinale 2013 The Grandmaster


Der Meister Wong Kar Wai erteilte allen anwesenden Filmemachern mit „The Grandmaster“ eine Lektion. Selbst wenn man nicht übermäßig viel für asiatische Klöppereien übrig hat, hier wird Martial Arts zum Ballet, zum atemberaubenden Bewegungs- und Bilder-Fluss. Die lange Geschichte ist schnell erzählt: Ip Man (Tony Leung), ein überlegener, aber bescheidener Kämpfer des Kung Fu aus dem Süden, wird zum Nachfolger des ganz großen und vereinigenden Meisters Gong, indem er es sogar mit dessen Tochter, der Zauberin der 64-Schlag-Technik, aufnimmt. Dieser ausgesprochen romantische „pas des deux“ sollte fortgesetzt werden, doch der Einmarsch der japanischen Armee trennt die Liebenden. Erst nach vielen Jahren und politischen Umwälzungen treffen sie sich im inzwischen britischen Hong Kong wieder. Doch Frau Gongs Gelübde, dass ihr half, den Mörder des Vaters zu besiegen, steht der Erfüllung im Wege.

Es ist ein typischer Wong Kar Wai, der einen Moment nicht erfüllter Liebe über Jahrzehnte und mehrere Filmstunden aufs Wunderbarste zerdehnen kann. Kurze Zeitlupen, schwebende Rauchwölkchen, zitternde Schneekristalle, Tropfen, die für ihr perfektes Perlen reihenweise Oscars erhalten müssten... Das schmerzlich süße Schmachten kann niemand so gut in Filmform bringen, wie man seit „In The Mood For Love“ weiß. Dazu Tableaus, die an Rembrandts Gilden-Gemälde erinnern oder aus einem Bordell in Süd-China „Eine Bar In den Folies-Bergère“ im Stile Manets machen. Dass in der unvereinbaren Liebe zwischen dem verschneiten Norden und dem warmen Süden nebenbei chinesische Geschichte und in der Zusammenführung unterschiedlicher Kampfstile durch Ip Man etwas Wesentliches für den Kung Fu erzählt wird, ist da fast Nebensache. Denn wie etwa anhand des aufmerksamen Kochens einer Suppe Lebensweisheiten vermittelt werden, äußern die Figuren zwar wenig, aber Treffendes. Fachjournale mögen entscheiden, ob die Geschichte des Lehrers von Bruce Lee korrekt wiedergegeben ist. Als einfacher Zuschauer überlegt man sich, doch irgendwie berühmt zu werden, nur damit Wong Kar Wai vielleicht auch mal dieses Leben auf betörend schöne Weise gestalten möge.

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