19.2.13

Berlinale 2013 Die Preise Ein Kommentar

Sieg für Netzer! War da was? Genau: Nach unauffälligen, bewegungsarmen 90 Minuten kurz eine kaum wahrnehmbare Bewegung und die Entscheidung ist gefallen. Doch anders als beim Fußball-Netzer kam aus der entspannten Tiefe des Kino-Raums dieses Wettbewerbs nichts Geniales. Um im Fußball-Bild zu bleiben, entsprach die Jury-Entscheidung des Berlinale-Wettbewerbs einem mittelmäßigen Gestochere im Strafraum, bei dem der Einäugige unter den Lahmen die Entscheidung für sich herbeiführte. Dass der Laiendarsteller Nazif Mujić aus „An Episode in the Life of an Iron Picker" von Danis Tanović als bester Schauspieler ausgezeichnet wird, sagt eigentlich alles. Der rumänischen Regisseur Călin Peter Netzer zeigte im Sieger-Film „Child's Pose", wie die übermäßig fürsorgliche, ekelhaft reiche und korrupte Mutter eines automobilen Kinds-Mörders letztendlich ihr Ziel erreicht und der verwöhnte Raser der Gerechtigkeit entkommt. Diese nüchterne Beobachtung war genauso gut oder schlecht wie viele andere Filme im Wettbewerb. Wenngleich die besseren Sachen wie Bruno Dumonts „Camille Claudel 1915" unter den Jury-Tisch fielen, war nicht alles schlecht, was prämiert wurde. Der Silberne Bär für „Vic+Flo haben einen Bären gesehen" von Denis Côté, der Preis für die Beste Regie an David Gordon Green („Prince Avalanche") und ein Silberner Bär für die Kamera in „Harmony Lessons" des Kasachen von Emir Baigazin gehen in Ordnung. Die beste Entscheidung traf diesmal jedoch die Schwarm-Intelligenz des Publikums: „The Broken Circle Breakdown" war ihr plebiszitärer Favorit und auch die Jury internationaler Kinobesitzer entschied sich für dieses großartige Werk aus der stärkeren Nebensektion Panorama. Im Gegensatz zu den Bären-Siegern, mit denen sich die Berlinale einen Bären-Dienst erwiesen hat und die durchgehend in Vergessenheit geraten werden, läuft diese Sensation bald im Kino.

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