29.1.13

Vergiss mein nicht (2012)

BRD 2012 Regie: David Sieveking 88 Min.

„Vergiss mein nicht" heißt der neue Film des jungen Regisseurs David Sieveking, der sehr überraschend einen großen Erfolg hatte, als er sich für „David wants to fly" in einem Selbstversuch mit der Transzendentalen Meditation seines Vorbildes David Lynch auseinandersetzte. Die neue Dokumentation hat ein schwieriges Thema: Die Mutter des Filmemachers ist an Alzheimer erkrankt und der viel beschäftigte Sohn kehrt aus Berlin ins Frankfurter Elternhaus zurück, um dem Vater bei der Pflege zu helfen. Dieser ist, wie oft in solchen Pflegesituationen, völlig erschöpft und will drei Wochen Urlaub machen. Nun kümmert sich also David, und hat - mit Kamera und Tonmann im Gepäck - so seine eigenen Ideen. Parallel entdeckt der Sohn über Fotos und Briefe die Liebesgeschichte seiner Eltern, die eine sehr freie war. Im linken, alternativen Milieu gab es immer wieder andere Beziehungen und ganz bitter ist es, wenn die verwirrte, alte Frau nun wieder einige dieser Namen aufleben lässt.

Noch während des stellenweise rührenden und erschütternden Films stellt man sich die Frage, ob man einen nahen Menschen so im geistigen Verfall zeigen kann. Doch bei der begeistert aufgenommenen Premiere des Films in Locarno im August 2012 erwies sich die Idee von Regisseur Sieveking und seinem befreundeten Produzenten Martin Heisler als richtig, mit diesem Film auch Angst vor der Krankheit zu nehmen.

Und ironischerweise hat, während man sich noch um die Privatsphäre der Familie Sieveking Sorgen macht, gerade der Dreh ihr geholfen: Bei ganz offensichtlich für die Kamera inszenierten Szenen merkt man, dass selbstverständlich erscheinende Fragen wie die mögliche Unterbringung der Mutter in einem Pflegeheim bisher noch nicht besprochen wurden. Erst in der Aufnahmesituation lösen sich Spannungen und Konflikte auch mit Davids älteren Schwestern. Überhaupt scheint die Arbeit an dem Film sowie die erfolgreiche Festival- und Premieren-Tour der Familie gut getan zu haben. Weiterhin reist Sieveking Senior mit zu Filmpremieren. Mittlerweile hat der Regisseur unter dem gleichen Titel auch ein Buch herausgebracht, das die gleiche Geschichte und noch mehr über den Erzähler und sein Verhältnis zur Mutter erzählt.

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