16.1.13

Die Nacht der Giraffe

Indonesien, BRD, Hongkong, VR China 2012 (Kebun Binatang / Postcards from the Zoo) Regie: Edwin mit Ladya Cheryl, Nicholas Saputra, Adije Nur Ahmad, Klarysa Aurelia Raditya 96 Min. FSK ab 12

Ein kleines Mädchen läuft suchend durch einen nächtlichen Zoo, doch wir sorgen uns nicht. Wunderbar märchenhaft bewegt es sich auch an den nächsten Tagen auf den Wegen und in den Gehegen. Wie ein organisches Ganzes reagiert der Zoo Jakartas: Immer wieder laufen auch kleine Tiere weg, schlüpfen unter Gittern durch. So wie die vielfältigen Besucher und Bewohner. Da sind Obdachlose, die hier campen, einige für immer, andere für eine Zeit. Unter ihnen wächst Lana auf, versorgt die Tiere, freundet sich mit ihnen an, wie fast meditative Szenen zeigen. Leise, verspielte Musik verstärkt den Eindruck eines Märchens.

Das sorglose Fließen bleibt selbst, als ein Mann Lana aus dem Zoo entführt: Nicht ein Ritter auf weißem sondern ein Cowboy auf schwarzem Pferd verzaubert sie mit Magier-Tricks und entreißt sie dem paradiesischem Zustand. So erlebt sie ihre „Auswilderung". Wie vorher die Tiere beziehen sich auch Texteinblendungen zu solchen zoologischen Begriffen leicht verständlich auf Lana. Als der Cowboy auf magisch-mysteriöse Weise verschwindet, bringt ein Gangster die junge Frau ins Bordell, wo sie für Liebesdienste abgerichtet wird. Doch selbst jetzt scheint es Lana nicht zu treffen. Vielleicht weil ihre Seele noch im Zoo ist? Oder wie erklären sich die Zwischenschnitte von ihr zwischen den Tieren und Pflanzen? So wird sie wie selbstverständlich hierhin zurückkehren, mit einem dieser bunten Touristen-Züge, die auch Kindergruppen durch den Tiergarten fahren. Ein kleines, sehr schönes, ganz außergewöhnliches Filmwunder.

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