30.12.12

Jack Reacher

USA 2012 (Jack Reacher) Regie: Christopher McQuarrie mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Robert Duvall 131 Min. FSK ab 16

Der neue Werner Herzog-Film zeigt unseren deutschen Altstar als gefürchteten Gangsterboss auf dem Höhepunkt seines Könnens. Wie dieser graue Wolf aus einer dunklen Gasse auftaucht und mit herrlich deutschem Dialekt (in der Originalversion) die Geschichte seiner im sibirischen Gefangenenlager selbst abgeknabberten Finger erzählt, ist oscarreif. Dass ein gewisser, minderbegabter Tom Cruise öfters in diesem Action-Thriller auftaucht, ist dann gar nicht mehr so schlimm. Denn er wird wiederum von Senior-Mimen Robert Duvall unterstützt...

Bevor der selbstverliebt in Szene gesetzte Titelheld Jack Reacher auftaucht, treibt ein Scharfschütze sein wahllos grausames Spiel mit zufälligen Opfern im Visier. Am Ende sterben vor dem Stadion in Pittsburgh fünf Menschen. Alle Indizien belasten den Soldaten Barr. Der verlangt nur nach dem ehemaligen Militärpolizisten Jack Reacher (Tom Cruise). Obwohl aus dem Dienst ausgeschieden und untergetaucht, taucht Reacher bei den verblüfften Strafverfolgern auf, noch ehe die überhaupt mit der Suche beginnen. Er schwor einst Vergeltung, weil Barr nach einem Gemetzel in Uniform nicht verurteilt wurde. Nun stellt ausgerechnet der stoische Verfolger als einziger fest, dass bei diesem Anschlag etwas nicht stimmt. Zusammen mit der Rechtsanwältin Helen Rodin (Rosamund Pike) deckt er eine Verschwörung auf, was beide ins Visier der Hintermänner bringt.

Rosamund Pike in der weiblichen Hauptrolle? Jai Courtney als schlagkräftiger Bösewicht? Das Wundern über wenig bekannte Namen in einer dicken Hollywood-Produktion hat Prinzip: Cruise produziert sich wieder selbst und setzt möglichst alles um ihn herum ins Mittelmaß. Was glücklicherweise nicht richtig gelingt. Sowohl die Story nach Lee Childs Roman „One Shot" (dt. „Sniper") als auch die Figur des harten, kompromisslosen Rächers Reacher sind zu gut. Der Kriminalist bewegt sich per Bus anonym durch die USA, hat nur ein Shirt und auch keinen dieser modernen Ermittler-Spleens. Dafür mehr Verstand als alle anderen um ihn herum zusammen. So eine spannende Figur perlt selbst an Cruise nicht ab.

Regisseur und Cruise-Schreiber Christopher McQuarrie („Top Gun 2", „Operation Walküre") darf demnächst auch „Mission Impossible 5" machen. Diese Visitenkarte ist anständig, die obligatorische Auto-Verfolgung gehört zu den packenderen. Wie sich zwei besonders dämliche Gauner gegenseitig im zu engen Badezimmer daran hindern, dem ausgeknockten Reacher den Rest zu geben, gehört eigentlich zu „Dick & Doof", macht aber ebenso Spaß wie die mit lässigen Sprüchen unterlegte Coolness des Helden. Bevor dem Finale wieder nichts als ein dämliches, unnötiges Steinzeit-Duell per Faustkampf einfällt, unterhält der raue Thriller gekonnt und mit einigen netten Wendungen. Doch den Auftritt von Regisseur und Gelegenheits-Schauspieler Werner Herzog sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Da versteht man, wie dieser Mann den wahnsinnigen Klaus Kinski unter Kontrolle hielt!

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