27.11.12

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin

USA 2012 (Ruby Sparks) Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris mit Paul Dano, Zoe Kazan, Antonio Banderas, Annette Bening, Elliott Gould 105 Min. FSK ab 6

Am Anfang war das Wort und dann kam gleich die Freundin. Genauer hat der blasse, schüchterne Jungautor Calvin Weir-Fields (Paul Dano) zuerst von Ruby Sparks geträumt, dann seine Schreibblockade überwunden und was er - gemäß Empfehlung seines Psychiaters - aufs Papier fantasierte, steht plötzlich verliebt in seiner überdimensionierten Luxusvilla: „Wo warst du heute Nacht?".

Calvins erster Roman galt als neuer „Fänger im Roggen", doch dieser Erfolg ist schon zehn Jahre her. So lebt der einsame, schüchterne Spät-Teenager ziemlich verloren vom und im frühen Ruhm. Erstaunt wie ein kleiner Junge reagiert er, als seine literarische Schöpfung Ruby wirklich da ist und bleibt. Seine Verwirrung ist ebenso komisch wie die Tests, ob Ruby real ist. Aber ja, sie beginnt fließend Französisch zu sprechen, sobald er ihr das zuschreibt. Die Liebe bricht zaghaft aus, wird mit einem schönen Unterwasserballett und Plastic Bertrands „Ca Plane Pour Moi" gefeiert. Calvin / Paul Dano blickt nun immer so drein, als wenn er vor Glück und Rührung heulen könnte.

„Ruby Sparks" ist Ovids Pygmalion in modernen Literatur-Zirkeln, vermischt mit der unreifen Beziehungsgeschichte eines weinerlichen Jungmannes. Der kreative Funke der Schöpfung geht diesmal von einer Olympia-Schreibmaschine aus, die sehr dem Modell Woody Allens ähnelt. Weiß Autorin und Hauptdarstellerin Zoe Kazan, dass auch E.T.A. Hoffmanns Maschinenfrau aus „Der Sandmann" Olimpia heißt? (Ein Coppola verkauft dort übrigens Sehinstrumente!)

Diese Beseelung einer Kunstfigur per Farbband und Papier hat jedoch nur am Anfang die Magie von Allens „The Purple Rose of Cairo". Romantische und verrückte Momente weichen nach den ersten Wochen, als nicht mehr alles an Ruby süß und super ist, einer veritablen Beziehungskrise. Calvins „Fair Lady" wird plötzlich sehr selbständig, sodass er die Schreibmaschine wieder rausholt und sie näher an sich bindet. Allerdings lässt sie ihn jetzt gar nicht mehr los - selten wurde Klammern enger und witziger dargestellt. Im nächsten Schritt zum Abgrund schreibt Calvin seine Eliza debil glücklich, worauf sie mit einem reiferen Neider in den Pool springt. Es folgt die größte in einer Reihe von Gemeinheiten, mit einem sadistischen Spiel zerstört er die Liebe endgültig. Dass es ihm weh tut, macht es nicht besser. Erst der wieder romantische Schlusspunkt macht ganz deutlich, was sich andeutete: Liebe braucht Freiheit.

Zoe Kazan, Jahrgang 1983, ist tatsächlich die Enkelin des berühmten Regisseurs und berüchtigten „Hollywood 10-Verräters" Elia Kazan („Die Faust im Nacken", „Jenseits von Eden"). Ganz nebenbei spielt sie selbst die Hauptrolle der Ruby Sparks, eine leere Chiffre, die sich formen lässt. Ihr Film ist reich an kleinen, literarischen Anspielungen. Lebenserfahrungen, die das emotionale Drama breiter ausfächern, sind nicht so sehr zu erkennen. Die hätten von Jonathan Dayton und Valerie Faris kommen müssen: Das Regisseur-Ehepaar von „Little Miss Sunshine" (2006) nahm vor allem Paul Dano als Hauptdarsteller ihrer sympathischen Erfolgskomödie mit. Bis auf ein paar großartige Nummern - wie Annette Bening als Calvins unheimlich spirituelle Mutter in einer Big Sur-Hippie-Parodie - fällt „Ruby Sparks" hinter den sonnigeren, komischeren und dichteren Vorgänger zurück. Die Frage, was das Autoren-Genie Charlie Kaufman („Synecdoche, New York", „Adaption") daraus gemacht hätte, verlässt endgültig den Kriterienkatalog netter Unterhaltung.

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