9.10.12

96 Hours - Taken 2

Frankreich 2012 (Taken 2) Regie: Olivier Megaton mit Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Rade Serbedzija 92 Min. FSK ab 16

Hier wird jemand enttäuscht: Die Action- und Gewalt-Fans bekommen lange eine Familiengeschichten wie in einem Disney-Film vorgesetzt, nicht wie in irgendeinem Action-Porn von Produzent Luc Besson. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Nackte Tatsachen gibt es keine, der Film ist auf diesem Gebiet prüde wie die meisten. Doch Gewalt zeigte er im Vorgänger „96 Hours" auf so obszöne Weise wie ansonsten nur Pornos obszön sind. Mittendrin als gnadenloser Rambo Liam Neeson in der Rolle des frustrierten Leibwächters Bryan Mills, der seine Tochter aus den schmutzigen Händen von Entführern rettet.

Mills nimmt Sachen gerne selbst in die Hand, beim Polieren des Autos, aber auch beim Abchecken des neuen Freundes der Tochter per Peilsender im Handy. Er hätte auch Drehbuch und Regie aus den Händen von Regisseur Olivier Megaton nehmen sollen, der sich mit „Colombiana", der Action-Geschichte einer illegalen Immigranten-Rächerin mit Anflügen von Realismus interessant machte. Denn jetzt dauert fast eine halbe Stunde bis die Action anfängt, gefühlt sogar länger, bis in Istanbul schmale Gassen von einer Auto-Verfolgung terrorisiert werden. So ein mörderischer und material-verschleißender Film ist selbstverständlich nichts gegenüber dem normalen Alltag in einer Auto-verseuchten Stadt. Aber dass Bryan Mills und seine Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) dann auch noch entführt werden, ist speziell. Ein Anruf zur Tochter Kim (Maggie Grace) im Hotel liefert vor allem das Stichwort „Taken". Also das gleiche Schema wie im erfolgreichen Gewalt- und Folter-Thriller „96 Hours" - nur mit verteilten Rollen und vor der Kulisse der Türkei an der Grenze zwischen Europa und Asien. (Soll die Tatsache, dass die Gegner islamischen Glaubens sind, auch etwas bedeuten? Ein Gegensatz von Kultur und Barbarei etwa?) Papa spielt seine Coolness als Mischung von McGywer und Bruce Lee auch aus, während er als Gefangener im einem Keller hängt. Die Tochter beweist seine Gene, wird aber konstant von Papa über Handy gebrieft. Ein Ortungs-Spielchen, bei dem man in Istanbul Handgranaten auf Dächer wirft, wirkt ebenso überzogen und unglaubwürdig wie Mills Kämpfe gegen hasserfüllte Gangster in Überzahl.

Prinzip Blutrache gegen einen braven Auftragskiller, der doch nur eine bessere Beziehung zu seiner Tochter haben will, die bei der geschiedenen Mutter lebt. Dass für diese drastische Familientherapie direkt haufenweise Menschen dran glauben müssen, ist das typische psychologische Deckmäntelchen solcher hohler Action-Aufwände. Zwar soll Liam Neeson dem Ganzen wieder physikalische Präsenz geben, dazu fügt man sein Image als ernsthafter Schauspieler. Die Rache-Aktion bringt auch den charismatischen Rade Serbedzija („In the Land of Blood and Honey" 2011, „Vor dem Regen" 1994) als Gegenspieler in die Brutalitäten. Aber zustimmen kann man Mills und dem Film nur, wenn er am Ende sagt „Ich bin der ganzen Sache so überdrüssig!" Immerhin bietet er ein Ende der Blutrache an, die ja auch im mazedonischen „Vor dem Regen" bitter beweint wurde. Doch ach, diese Osteuropäer wollen einfach nicht lernen. Sagt der Film, der nie was begreifen will, außer dem Prinzip, die Kassen mit einem Nachfolger wieder zu füllen. Doch selbst das versteht er nicht.

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