31.8.12

Venedig 2012 Bad 25 von Spike Lee

Schlecht war nicht alles, am 1987er-Album „Bad" von Michael Jackson - sagt selbst der Prince-Fan. Richtig gut macht allerdings erst Regie-Meister Spike Lee in seiner Jubiläums-Doku „Bad 25" klar, was die Scheibe an kulturgeschichtlicher Bedeutung trägt. 25 Jahre nach dem Rekord-Erfolg in Sachen Verkauf, Nummer-Eins-Hits und Konzert-Tournee, geht der geniale Regisseur und rabiate Kämpfer für die Rechte der Afroamerikaner alle elf Stücke der LP durch: "I just cant stop loving you", "Smooth Criminal", "Dirty Diana"… Lee bekommt für die Interviews extrem prominente Partner. Martin Scorsese drehte und kommentiert aktuell das U-Bahn-Video zu „Bad", mit dem Wesley Snipes bekannt wurde. (Mit Spike Lee drehte Snipes drei Jahre später „Mo' Better Blues".) Von Stevie Wonder bis Justin Biber huldigen viele ihrem Idol, aber vor allem der innere Kreis von Mitarbeitern um den legendären Produzenten Quincy Jones macht die Genialität und den enormen Arbeitsethos deutlich, mit dem Michael Jackson seinen eigenen Erfolg aufbaute. Außerdem gibt es langersehnte Erklärungen beispielsweise dafür, wer Annie ist, nach deren Wohlergehen sich „Smooth Criminal" erkundigt. (Eine Reanimations-Puppe.)

Dabei bleibt Spike Lee erstaunlich zahm und huldigt brav mit. Es bleibt lächerlich bis tragisch wie Jackson an seinem Image bastelt wie an seinem Gesicht. Gerade das Video zu „Bad" ist ein gutes Beispiel, wie das Jüngelchen mit der Piepsstimme und den zu kurzen Hosen vergeblich versucht, „tough" zu wirken. Dass der Star über eine enorme stimmliche Bandbreite verfügte, aber seine tiefe Stimme im Gespräch nicht nutzte, wird in einer der zu seltenen tiefergehenden Momente als Beleg gesehen, dass er nicht erwachsen werden wollte. Trotzdem ist Lees zweistündige Doku selbst für einen, der sich eher über Prince begeistert, ein detailliertes und bewegendes Stück Musik- und Zeitgeschichte. Und vielleicht auch ein populär-politisches, trojanisches Pferd im Sinne des Schlusssongs „Change".

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