24.8.12

To Rome with Love

Italien, Spanien, USA 2012 (To Rome with Love) Regie: Woody Allen mit Woody Allen, Penélope Cruz, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Judy Davis, Jesse Eisenberg, Ellen Page, Greta Gerwig, Ornella Muti 112 Min.

Woody Allens Europa-Tour zum Einsammeln von Fördergeldern wird nach London, Barcelona und Paris jetzt in der Ewigen Stadt der Liebe fortgesetzt. Und wenn die Kritik so beginnt, kann der Film nur verlieren, denn große Romanzen werden vom komischen Zyniker höchstens demontiert. Ein paar nette Episoden unterhalten leidlich; die eine Szene, die Filmgeschichte schreiben wird, ist völlig absurd. Doch nach „Midnight in Paris" konnte es schwerlich besser werden. Also: „Mäßig in Rom".

„Volare" - es ist so einfach, in italienische Gefilde abzuheben, ein Klischee auf der Tonspur, ein paar andere im Bild (Colloseum, Piazza di Spagna, Monumento Vittorio Emanuele II) und fertig ist die Stimmung... Sollte sie jedenfalls sein. Aber weder dem unbekannten Verkehrspolizisten am Anfang noch dem Anwohner der „Spanischen Treppe" im letzten Bild nimmt man die Rom-Begeisterung ab. Letztendlich auch nicht Woody Allen.

So bleiben eine Reihe von Episoden mit Einheimischen und Eingeflogenen: Allen selbst kommt als neurotischer Schwiegervater zur Hochzeit seiner Tochter, die einen linken römischen Anwalt liebt. Während diese Beziehung völlig emotionslos am Rande verläuft, stürzt sich Allens Figur Jerry, ein verschrobener Opern-Regisseur im Ruhestand, auf den Vater des Bräutigams. Michelangelo (Tenor Flavio Parenti) schmettert nämlich Arien wie ein großer Meister - unter der Dusche. Den scheuen Bestatter groß rauszubringen, scheitert zuerst, dann wird die Duschkabine auf die Bühne gebracht und der Film hat seine beste Szene gefunden. Ein Bajazzo, der nackig unter der Brause heraus mordet, der wird Filmgeschichte machen. Und irgendwie hätte man auch gerne Jerrys andere Flops gesehen, „Tosca" in der Telefonzelle beispielsweise. Den typischen One-Liner dazu liefert seine Ehefrau (Judy Davis), die praktischerweise auch seine Analystin ist: Ruhestand ist für ihn wie in der Kiste, deshalb zieht er jetzt einen Bestatter aus der Kiste.

Woody listet zwar wieder eine eindrucksvolle Reihe von Stars auf, wirklich Eindruck macht aber kaum einer. Penélope Cruz spielt die Prostituierte Anna in einer boulevardesken Verwechslung routiniert runter. Sie kann viel dreckiger und war in „Vicky Cristina Barcelona" unvergleichlich besser. Alec Baldwin besucht als Star-Architekt John seine eigene Vergangenheit in Trastevere. Er beobachtet altersweise, wie sein junges alter ego (Jesse Eisenberg) den schalen Verführungen der prätentiösen und unbeschäftigten Schauspielerin Monika (Ellen Page) verfällt und seine Liebe Sally (Greta Gerwig) betrügt. Ein sarkastischer Kommentar zu albernen Gefühlsregungen ist Allens Antwort auf Rom-Klischees.

Die Einheimischen (Stars) dürfen nur Abziehbilder abliefern: Beim Auftritt von Ornella Muti wird Rom plötzlich zur Filmszene. Roberto Benigni erlebt als kleiner Büroangestellter Leopoldo für ein paar Tage surrealen Medienruhm und albert in dieser angestrengten Parabel nervig herum. Dass der Film von Berlusconis ungeliebter Produktionsfirma Medusa hergestellt wurde, ist dabei der eigentliche Medienwitz. Ansonsten hätte eine durchgehende, richtig ausgearbeitete Geschichte dem Rom-Ausflug gut getan. Aber vielleicht hat sich der Senior Allen auf seiner italienischen Reise ansonsten gut unterhalten.

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