9.7.12

Fast verheiratet

USA 2012 (The Five-Year Engagement) Regie: Nicholas Stoller mit Jason Segel, Emily Blunt, Chris Pratt, Alison Brie und Rhys Ifans 124 Min. FSK ab 12

Kann Rom-Com noch komisch sein? Wenn gleich zu Beginn der Heiratsantrag herrlich misslingt, gibt es Hoffnung auf eine gute Romantische Komödie, diesmal sogar mit einem Schuss Realismus. Ein Jahr kennen sich Tom (Jason Segel) und Violet (Emily Blunt) bereits. Exakt am Jahres- und Silvestertag reserviert der Koch einen ganz speziellen Tisch mit traumhaftem Ausblick über San Francisco und verrät die Überraschung aufgeregt wie ein Teenager vorher. Dass die beiden Spaß miteinander bekommen, war schon beim Kennenlernen klar: Die Britin Violet überstrahlte als Princess Di die Party, er als rosa Riesen-Kaninchen. Auch weiterhin ist das Paar für einen Scherz gut, Freunde und Verwandten machen in bester Besetzung und gut aufgelegt mit. Erstere beispielsweise mit dem besten Freund Alex, die in einem lustigen Video alle Ex-Freundinnen von Tom vorführt. Eltern, Onkels und Tanten, indem sie langsam wegsterben und die Dringlichkeit einer Hochzeit nahelegen. Doch der Ernst des Lebens hinterlässt einen Brief in der gemeinsamen Wohnung: Violet bekommt nach ihrem Studium nur einen Uni-Job im eisigen Michigan. Aber der gutmütige Chefkoch Tom zieht mit (um), obwohl ihm seine derbe Lesben-Chefin eigentlich ganz treuherzig ein eigenes Restaurant anbieten wollte. Die ersten zwei Jahre übersteht Tom geduldig in unwirtlicher Umgebung als Fast-Food-Zubereiter während Violet mit absurden Donut-Experimenten als Sozialwissenschaftlerin Karriere macht. Ihre Vertragsverlängerung erschüttert die Beziehung: Aus dem etwas tapsigen, sympathischen Kerl wird ein bärtiger Waldschrat mit seltsamen Vorlieben für Schusswaffen und übergroße Strickpullover. Zwar kommt ein neuer Hochzeitstermin näher, doch die Distanz zwischen den Verlobten wächst...

Wenn man noch blütenweißen Mädchenträumen nachhängt, mögen solche Organisationsprobleme als dramatische Triebfeder hinlangen. Falls nicht, gibt es einige Längen in „Fast verheiratet". Doch man kann Nicholas Stoller, einem gemäßigten Regisseur der ansonsten grobschlächtigen bis absurden Aptow-Fabrik, zugute halten, dass er den Clash zwischen romantischen Träumereien und ganz realistischem Gegenwind im Beziehungsleben immer wieder zulässt. Aber vor allem gelingen ihm mit einem vielköpfigen Set an kantigen und komischen Figuren einige starke Komödien-Knaller. „Harry and Sally" darf als Referenz erwähnt werden, die Salat-Szene kommt mehrfach auf der Lacher-Skala in Sichtweite. Auch wenn es wohl nicht ohne die Aptow-typischen, absurden Ausreißer geht, bei denen das Lachen ins Kopfschütteln übergeht, hält Stoller meist die Stimmung des Films zusammen.

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