4.6.12

Street Dance 2 3D

Großbritannien, BRD, Italien 2012 (StreetDance 2) Regie: Max Giwa, Dania Pasquini mit Falk Hentschel, Sofia Boutella, George Sampson, Akai Osei-Mansfield, Tom Conti 89 Min. FSK o.A.

Tanz in 3D zeigte sich in der atemberaubenden Dokumentation „Pina" als Offenbarung. Doch Wim Wenders ist in weiter Ferne bei diesen viel zu nah und zerstückelt aufgenommenen Häppchen aus Breakdance-Battles. Nun darf das junge, hippende und hoppende Zielpublikum einwerfen, dass die aktuelle (auch schon Jahrzehnte alte) Tanzform mit Altertümern wie Pina Bausch nichts zu tun hat. Wie jedoch Bewegung im Film repräsentiert wird, unterliegt erstaunlich gleichen Regeln. So scheitert auch dieser Jugendfilm unter anderem daran, dass er eindrucksvolle Bewegungs-Artistik nicht authentisch abbildet, obwohl doch gerade ausgewiesen Könner die „Move" tanzen. Dass auch schauspielerisch nicht viel läuft, bricht dem Film endgültig das Genick.

Die Story in diesem zweiten „Streetdance"-Versuch ist so abgenutzt, dass man sich sogar schämt, es zusammenzufassen: Der Streetdancer Ash (Falk Hentschel) will bei so was wie der Weltmeisterschaft dieser Disziplin den scheinbar unbesiegbaren Invincible mit dessen Truppe zu schlagen. Das eigene Team wird in einer lahmen Montage quer durch Europa zusammengesucht, man kann sich auch vorstellen, wie die Produzenten auf der gleichen, gemalten Route die Gelder für diesen Europudding einsammelten. In einer Art Jugendherberge in Paris hat die Ansammlung eigenwilliger Tänzer nun sechs Wochen Vorbereitungszeit bis zum entscheidenden Battle. Nicht das Zusammenraufen wird dabei zum Thema, denn außer Ash hat wirklich niemand einen Hauch von Persönlichkeit in diesem Haufen. Es geht um das Verschmelzen von angeblichen „freien" Streetdance-Moves mit einem Korsett festgelegter Schritte bei einem Street-Latin-Crossover mit der Tänzerin Eva (Sofia Boutella). Und - hier wird wirklich jedes Klischee angespielt - um die Mühen für Ash, sein Ego für die Gemeinschaft aufzugeben. Dann fehlt nur noch das Trauma für das Finale (mit oder ohne Rückblende?), dazu nehmen wir doch die Anfangsszene, in der sich Ash als Popcorn-Verkäufer vor Invincible lächerlich machte. Fertig ist ein Film, den man in jeder Faser kennt, der aber von einem meist dümmlich aus der Wäsche schauenden Falk Hentschel selten so schlecht in der Hauptrolle umgesetzt wurde.

Es bleiben die Tanznummern, tatsächlich die eigentliche Attraktion des Films. Und in zwei, drei Montage-Szenen gelingt es „Streetdance 2" einfach und gut zu erzählen. Die lästige Verdoppelung der Handlung durch die Nacherzählung auf der Tonspur fällt weg, der Schnitt ist wirklich gut und die Songs funktionieren.
Doch im Besten des Teenie-Films liegt auch sein Scheitern: Der Schnitt zerstört konsequent die sicher eindrucksvollen Leistungen der Tänzer. Statt toller Bewegungen gibt es nur Fragmente. Das Bildflackern des Musikvideos unterlegt dann nur noch abstrakt den Song. Hier wäre eine Erinnerung an den genialen Schauspieler, Regisseur, Sänger, Tänzer und Choreograph Gene Kelly (1912 - 1996, „Singin' in the Rain") oder auch Fred Astaire (1899 - 1987) hilfreich. Die Herren legten größten Wert darauf, dass möglichst kein einziger Schnitt ihre Tanzleistung beschädigte und dass immer ihr ganzer Körper zu sehen war. Kein Raum für filmische Tricks, alle Aufmerksamkeit für den Tanz. Das gilt auch noch in Zeiten von 3D, das hier übrigens auch ganz furchtbar platt und nervig eingesetzt wurde. Also bei Youtube mal Gene Kelly eingeben oder moderner: „jubafilms", die tänzerisch und filmisch fast alles besser machen.

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