25.3.12

Die Frau in Schwarz

Großbritannien, Kanada, Schweden, 2011 (The Woman In Black) Regie: James Watkins mit Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Shaun Dooley 95 Min.

Das ist der Hammer: Daniel Radcliffe ohne Nickelbrille! Und wenn Zauberei zu Horror mit dem Vorschlaghammer wird, weicht der Schrecken schnell Peinlichkeit und ungewolltem Lachen.

Während im Teaser noch zu schönem Horror mit Spieluhrmusik drei Mädchen aus dem Fenster springen, verliert der Film sofort jedes Maß. Schon im nächsten erkennbaren Bild setzt Harry Potter sich vor dem Spiegel ein Rasiermesser an den Hals, während ihn eine geisterhafte Frau aus dem Spiegel anspricht. In späteren, schön gefilmten Einblendungen erfahren wir, dass der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) seine Frau bei der Geburt des Sohnes verloren hat.

Wir sind im 19. Jahrhundert, Kipps schaut immer traurig drei und erhält ganz im Sinne moderner marktliberaler Gnadenlosigkeit eine letzte Job-Chance, an der Küste den Nachlass von Alice Drablow zu regeln. Von den einheimischen Dörflern nicht gerade freundlich begrüßt, verfolgen Kipps bald weitere Erscheinungen. Aus dem Dunkeln, das in allen Ecken herrscht, blicken Gestalten, ebenso aus fast blinden Fenstern und den Spiegeln. Der seltsam furchtlose Kipps jagt fortwährend diese Schatten, obwohl ihm das ausgeredet wird. Selbstverständlich übernachtet er in dem verlassenen Haus auf einer Insel, die übers Watt nur bei Ebbe erreichbar ist, und auch sonst wie die britische Version von Mont St. Michel aussieht.

Dort quietscht und stöhnt es im Gebälk, Schaukelstühle rumpeln heftig ohne Besitzer, der arme Anwalt kann keine Minute arbeiten, weil wirklich immer etwas Schauriges passiert. Da das nicht im Schrecken, sondern in seinem Übermaß schier unerträglich ist, sei kurz zusammengefasst, was Kipps in alten Briefen entdeckt: Jennet, der Schwester der Besitzerin des Hauses, wurde ihr Kind genommen, bevor es im Watt ertrank. Die Mutter wurde wahnsinnig und trieb nach ihrem Dahinscheiden als Frau in Schwarz die Kinder der Gegend in den Tod. Nun wartet Kipps darauf, dass sein Söhnchen aus London kommt...

Spannend? Nun ja, wenn man Shakespeares Sonette im Original lesen kann, während Hardrock zu laut dröhnt, entdeckt man beim Reizüberfluss der „Frau in Schwarz" vielleicht auch was Reizvolles. Hier steht ein veritables Geisterhaus, das so offensichtlich schauerlich ist, dass es schon langweilt. Ein erstaunlicher Effekt bei derartiger Hardcore-Erschreckung. Überdeutlich wirkt alles immer gruselig in Bild und Ton. Einiges, wie die verstaubten und ausgebleichten Räume, sieht aus wie klassischer Gothic Horror. Doch Regisseur James Watkins, der Erfahrung mit härteren Stoffen hat, bringt bei dieser Produktion des wiedergeborenen Hammer-Labels die moderne Unsitte des „Zuviel" mit. Wenn die drei (mechanischen) Affen immer wieder losscheppern, wird ihr Sinnbild verständlich: Zu viel Hören, zu viel Sehen, zu viel Reden. „Die Frau in Schwarz" hat nicht das feine Raffinement von „Sleepy Hollow" oder „The Others". Eigentlich von Anfang an klar, denn der Billig-Horror der Hammer-Produktionen belastete sich nie mit großem Anspruch.

Radcliffe Potter kann kein besonderes schauspielerisches Vermögen ausgraben und daher auch den Film nicht rausreißen. Dazu kommen handwerkliche Mängel der Produktion, Kipps bewegt im Gegenschuss-Bild noch den Mund, während auf der Tonspur schon der Dialogpartner dran ist. Und so ist auch der Film schon vergessen, während er noch läuft.

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