12.2.12

Berlinale 2012 Shadow Dancer

Großbritannien, Irland 2012 R: James Marsh mit Clive Owen, Andrea Riseborough, Gillian Anderson, Aidan Gillem 100 Min.
Da fragte doch ein Kollege, was er mit dieser Geschichte von V-Frauen und Verrätern anfangen solle, die 1993 in Belfast, in der Endphase des nordirischen Widerstands gegen die britischen Besatzer spielt. Vielleicht wird sich in 20 Jahren, wenn ein Spielfilm die Hintergründe der Zwickauer Zelle und die Beteiligung vom Verfassungsschutz ausleuchtet, zeigen, das wohl alle diese Geheim- und Sicherheits-Dienste skrupellose mit Menschen spielen und sie auch ohne Zögern opfern. Der spannende und raffinierte Thriller „Shadow Dancer" setzt nebenbei die Berlinale-Reihe von Macht- und Zwangsverhältnissen zwischen Männer und Frauen (nach „Land of Blood and Honey" und „Barbara") fort, lässt allerdings jemand anders am Ende den letzten Zug machen. Ach ja, und endlich wissen wir auch, das Scully das FBI verlassen hat, weil Clive Owen bei den britischen Kollegen frischer aussieht als Duchovny.
Im Belfast des Jahres 1973 ist schnell klar, das wird keine nette Geschichte. Und das Rauchen tödlich ist: Der Vater schickt Collette zum Zigaretten holen, sie leitet den ungeliebten Auftrag an den Bruder weiter, der kurz darauf erschossen in die Wohnung zurück getragen wird. Alltag im sogenannten „Bürgerkrieg" der englischen Armee gegen IRA und die katholische Bevölkerung Nordirlands. Zwanzig Jahre später wird Collette (Andrea Riseborough) erwischt, als sie in der London Tube eine Bombe platzieren will. Ein sehr verständnisvoller Agent namens Mac (Clive Owen) bietet ihr an, den nicht zum Waffenstillstand bereiten IRA-Kämpfer Gerry auszuspionieren. Ansonsten drohe ihr Knast und Trennung von dem kleinen Sohn. Und außerdem hätte sie die Bombe ja gar nicht scharf gemacht, das würde viel verraten. Die junge Frau nimmt an, obwohl es ihr Todesurteil sein kann. Und tatsächlich scheint sie mit dem ersten Verrat, der ein Attentat verhindert, von den Engländern zum Abschuss freigegeben zu sein. Auch Mac wurde von seiner Chefin („Scully" Gillian Anderson) verraten und versucht, „seine" Spionin zu retten. Nach einem Kuss von Collette gibt er ihr alles preis....
Es gibt nicht nur ein Wiedersehen mit einer blondierten Gillian Anderson, eindrucksvoller ist der Auftritt von Andrea Riseborough, die als Wally in Madonnas „W.E." einen guten Auftritt in unglücklicher Umgebung hatte (der Film ist wirklich nicht gelungen). Nicht mehr glamourös, sondern verschlossen und getrieben kann sie mit ihrem Gesicht die Zwänge der mehrfachen Zwickmühle widerspiegeln. Während Collette jeden Moment der Freude bei ihrem Sohn genießt (den ihr Bruder nicht mehr haben konnte!), kapieren all die Männer nicht, dass es etwas anderes gibt als den Job, zu morden. Doch der Sicherheits-Chef dieser IRA-Abteilung (Henker kann man nicht sagen, da hier alle Blut an den Händen haben) verdächtigt sie, die Plastikplane ist beim Verhör schon ausgelegt und in einer spannenden Parallel-Suche recherchiert Mac in den bürokratisch korrekten Gehaltsabrechnungen nach dem einen Verräter, dessen Entdeckung die Entdeckung von Collette in einem großen Bluff verhindern soll. Dies ist allerdings nicht die letzte Volte des raffinierten Drehbuchs.

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