5.7.11

Willkommen in Cedar Rapids

USA 2011 (Cedar Rapids) Regie: Miguel Arteta mit Ed Helms, John C. Reilly, Anne Heche, Sigourney Weaver 87 Min. FSK ab 12

„Cedar Rapids" stellt neben „Company Men" noch so eine Ansammlung von Americana dar, deren einziger Sinn das amüsierte Betrachten des seltsamen Verhaltens seltsamer Amerikaner zu sein scheint. Unsere Exemplare der untersuchten Spezies sind eigentlich aus dem Paarungs-Alter herausgewachsen. Sie ernähren sich davon, anderen Leuten Geld abzunehmen und ihnen etwas Metaphysisches namens „Versicherung" aufzuschwatzen. Hier erleben wir eine geballte Ansammlung von Versicherungsvertretern bei einem jährlichen Kongress. Besonders seltsam - oder noch halbwegs normal? - verhält sich der junge Tim Lippe (Ed Helms). Er durfte kommen, weil der Superstar seiner Agentur erhängt aufgefunden wurde. Ob Sex-Unfall oder Selbstmord ist nur für Außenstehende ein Rätsel. Tim, der langweile Nerd, teilt sein Hotelzimmer mit gleich zwei der schlimmsten Kongress-Kings.

Hier teilt man sich auch Toilette und Verdauungsdetails, denn viel von seinem Humor gewinnt „Cedar Rapids" aus der Verletzung typisch amerikanischer (Körper-) Distanz. Da häufen sich Fremdschäm-Momente wie eine Nacktumarmung durch den Präsidenten des Versicherungs-Verbandes, überhaupt gleicht die Talentshow dieses Vereins einer Zusammenballung von Peinlichkeiten. Tim, für den Versicherungs-Vertreter noch Helden sind, die im Schadensfall für die Kunden kämpfen, muss einiges lernen, eine Crack-Party überleben und sich von seiner älteren, strengen Geliebten (Sigourney Weaver) emanzipieren. All dies Gehabe ist eine Weile erträglich, weil sich hier jemand entwickelt. Aber mal ehrlich: Wer will wirklich die Innenansicht irgendeiner Konferenz kleiner Geister sehen? Wenn sie nicht wirklich böse durch den Kakao gezogen wird? Dieser Film ist wie Tim: Auf den ersten Blick ziemlich abschreckend, aber selbstverständlich hat er ein gutes Herz und trägt extrem unattraktiven Schießer-Feinripp beim nächtlichen Ausflug in den Pool.

John C. Reilly ist großartig mit gegeltem Haar und Anzug: Laut und peinlich, herrlich verrückt mit Mülltonnen-Deckel als Helm. Die Musik von (Christophe) Beck ist wieder eher unauffällig. Anne Heche verkörpert als Frau das Prinzip all dieser tragischen Gestalten, einmal im Jahr den Alltag zu fliehen, der sie anödet. Dass sich im märchenhaften Happy End Loyalität und gute Arbeit auszahlen, verdirbt direkt den mäßigen Spaß dieser seltsamen Americana.