6.5.11

Senna

Großbritannien 2010 Regie: Asif Kapadia mit Ayrton Senna, Alain Prost, Frank Williams 104 Min. FSK ab 6

Die Verehrung eines nationalen Helden, der mit seinem Auto gegen eine Wand knallte und dessen damit verbundener Tod drei Tage Staatstrauer in Brasilien auslöste, schwappt jetzt auch auf die Leinwand. (Davon träumt der besoffene Führerschein-Neuling, der nach der Party eine Pappelallee ausdünnt.) Um die Karriere des Formel 1-Fahrers Ayrton Senna von seinem ersten Formel 1-Rennen im Jahr 1984 bis zum tödlichen Unfall 1994 dreht sich „Senna", die konventionelle Glorifizierung durch Asif Kapadia.

Jungenhaft wirkte er. Nicht nur 1984, als der Formel 1-Neuling fast den Grand Prix von Monaco gewann oder noch 1985 in Estoril bei seinen ersten Sieg auf Lotus. Nein, Senna behielt diesen Charme auch in den letzten Lebens-Jahren trotz sportlicher Rückschläge. Doch wollen wir nicht zu viel von der Person reden, denn das macht auch der Film „Senna" nicht. Brav chronologisch wird der sportliche Werdegang nachvollzogen. Regisseur Asif Kapadia montierte dabei nur Originalaufnahmen. Die Musik von Antonio Pinto, der auch „City of God" komponierte, macht dazu auf großes Drama mit einem schwebend tragischen Ton.

Die schwache Dokumentation bleibt unkritisch - Senna gegenüber. Die anderen bekommen durchaus ihr Lagerfett ab. Der große Konkurrent, der „Professor" genannte Alain Prost, wird als Spezialist für politische Ränke diskreditiert während Senna immer wieder einer anderen Zeit mit einem „puren Rennsport" nachweint. Aus dieser Gegnerschaft im gleichen McLaren-Rennstall gewinnt der Film sein klassisches Duell. Bis zum Crash der in Führung liegenden Rivalen, der eigentlich Prost die Weltmeisterschaft 1989 in Japan sichern sollte. Doch Senna fuhr weiter, gewann das Rennen und wurde disqualifiziert. Ein französischer Präsident der Autosport-Vereinigung sorgte für das vermeintliche Unrecht und den Titel des Franzosen Prost. Die Sport-Geschichte hatte dann die nette Idee, nur ein Jahr später an gleicher Stelle das Duell mit umgekehrten Vorzeichen fortzusetzen. Der Held rächt sich im zweiten Durchgang. Nun blieben dramatisch nur noch der große Abgang und vorher etwas technisches Geplänkel. Andere, in teils drastischen Bildern gezeigte, schwere Unfälle bilden die Einstimmung. Der Tod des Österreichers Roland Ratzenberger auf der Strecke von Imola, die auch Senna im Alter von 34 Jahren zum Verhängnis wurde, bietet der Film als Warnung und letzte Möglichkeit zum Ausstieg an. Voyeuristisch bleibt die Kamera fast bis zur letzten Sekunde beim Todesfahrer Senna. Der erste Trauerzug gilt dem Rennwagen, dann erst erfährt der Sarg einen vielbeweinten Abschied in Rio.

Ein paar Privataufnahmen bringen die Person Senna nicht näher. Dadurch, dass Senna seinen Erfolg, zum Beispiel seine erste Weltmeisterschaft 1988, nicht auf Reifen, den Motor oder die Konstruktion zurückführte, sondern auf Gott, entsteht kurzzeitig eine zusätzliche Dimension. Im entscheidenden Rennen hatte der Fahrer sogar Zeit, die ganze letzte Runde lang zu beten.

Die strenge, den Rennen folgende Chronologie mag Formel 1-Fans begeistern. Für sonstige Zuschauer ist es eine Sport-Doku wie viele andere. Über einen Ausnahme-Sportler wie viele andere. Vor ihm war im Bereich der hoch bezahlten Raser Lauda, nach ihm kam Schumacher, der alle Senna-Rekorde plättete, und jetzt dreht wahrscheinlich wieder jemand anderes seine Runden. Immer schnappt sich jemand Neues den Titel des jüngsten Siegers oder des jüngsten Weltmeisters. Immer wieder könnte man über so einen eine durchschnittliche, oberflächliche Sport-Doku drehen.