26.10.10

R.E.D.


USA 2010 (RED) Regie: Robert Schwentke mit Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich, Helen Mirren, Mary-Louise Parker 111 Min.

Robert Schwentke ist unter den gar nicht wenigen neuen deutschen Hollywood-Regisseuren der erfolgreichste. Während viel Nachwuchs sich im Horror die Finger schmutzig macht, sammelt Schwentke beeindruckende Projekte mit großen Stars. Seit dem heftigen Thriller „Tattoo“ (2002) und der ebenso klugen wie frechen Kranken-Komödie „Eierdiebe“ (2003) drehte er mit Jodie Foster „Flight Plan - Ohne jede Spur“ (2005), mit Eric Bana „Die Frau des Zeitreisenden“ (2009) und nun mit einer ganzen Riege von Hollywood-Größen den Action-Spaß „R.E.D.“. Mit dabei ist immer der Kameramann Florian Ballhaus, Sohn der Legende Michael Ballhaus.

„R.E.D.“ startet fast gemächlich mit dem einsamen Ruheständler Frank Moses (Bruce Willis), dessen Leben sich um Fürsorge für einen Avocado-Kern und regelmäßige Telefonate mit der netten Sarah (Mary-Louise Parker) vom Call-Center dreht. Bis Frank, noch im Morgenmantel, problemlos drei schwer bewaffnete Angreifer umlegt. Kurz darauf wird sein Haus von Kugeln durchsiebt und pulverisiert, aber er ist schon unterwegs nach Kansas City. Dort findet ihn die sehr überraschte Sarah in ihrer Wohnung, er hat schon ihre Tasche gepackt und auch gestaubsaugt. Die will gar nicht mit einem Unbekannten verreisen, doch eine neue Horde von Killern, sowie Klebeband auf dem Mund helfen nach.

Es bleibt in der sehr raschen Entwicklung rätselhaft, weshalb der ehemalige und berüchtigte CIA-Mitarbeiter Frank Moses verfolgt wird. Seine sehr spinnerten Aktionen jedoch, die er mit äußerster Selbstverständlichkeit (amerikanisch: Coolness) hinlegt, unterhalten vortrefflich. Herrlich abstrus auch die Reaktionen der erst entführten, aber von dem ganzen Geheimdienst-Geballere immer mehr begeisterten Sarah: Sie erwartete nicht, gekidnappt oder betäubt zu werden, und sie hoffte, das er Haare habe, aber dies sein nicht mal ihr schlechtestes erstes Date! Der eigentlich recht schüchtern Verliebte fragt sich mitten im Feuergefecht schon mal, ob sie ihn wirklich wolle, und tritt dann einfach mal den Rigips neben einer Panzertür ein, wenn er den Geheimcode der zu erstürmenden CIA-Zentrale nicht mehr kennt.

Mit diesem ungleichen Pärchen, flotten Dialogen, gutem Tempo und einem anständigen Polit-Thriller im Hintergrund - demnächst auf Wikileaks - hätte die Comicverfilmung „R.E.D.“ ihr Soll längst erfüllt. Die Action-Komödie sammelt auf der Flucht jedoch zusätzlich noch eine Handvoll ebenso irrer Figuren auf: Morgan Freeman gibt den ehemaligen CIA-Vorgesetzten, der nicht im Altersheim sterben will. John Malkovich ist die Krönung als paranoider Marv, der jahrelang mit LSD behandelt wurde. Auch die schießwütige ehemalige MI6-Agentin Victoria (Helen Mirren) bereichert den Film mit ihrer eigenen Geschichte. Wer ihre große Liebe war, von der sie sich mit drei Schüssen in die Brust verabschieden musste, verrät erst das Finale zwischen etwas langatmigen Action-Routinen.

Richard Dreyfuss gibt einen angefetteten Industriellen, der die US-Regierung als eigene Firmenabteilung ansieht. Brian Cox sorgt als Ex-KGBler Ivan Simanov beim Wodka-wehmütigen Treffen mit Frank Moses für besonders viel Spaß. Und auch das Wiedersehen mit Western-Legend und Airwolf-Assistenten Ernest Borgnine macht viel Freude. Ein paar Wochen nach der überflüssigen Senioren-Stallone-Action „Expendables“ schießt sich dieser reife und frische Film mit Figuren und Geschichten, die sich nicht zu ernst nehmen, auf die gleiche Humor-Höhe wie Eastwoods „Space Cowboys“. Der Stuttgarter Robert Schwentke katapultierte sich damit gekonnt noch mehr ins Rampenlicht des Hollywood-Films.