15.2.10

The Book of Eli


USA 2009 (The Book of Eli) Regie: Albert Hughes, Allen Hughes mit Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis 118 Min. FSK ab 6

Es scheint die Zeit der Endzeit im Kino angebrochen. Wieder einmal. Nach Will Smith in „I am Legend“ und „The Road“ nach dem Roman von Cormac McCarthy (Start im Mai) streift diesmal Denzel Washington als mythische Gestalt namens Eli durch ein von Menschen verlassenes Amerika. In der Nacht, als er sich in einem verlassen Haus wegträumt, ist man noch in Sorge um ihn. Als er am nächsten morgen gleich ein halbes Dutzend schwer bewaffneter Bestien niedermäht, kann man in Ruhe die extreme Stilisierung der Hughes-Brüder ("From Hell") bewundern.

Die Ruinen unserer Zivilisation sind apokalyptische Schattenrisse. Nach der Atomkatastrophe herrschen Kannibalismus und Bildungsmangel. Es hat sich viel verändert. Für viele simple Dinge, die heute weggeworfen werden, bringen sich die Menschen um. Nur „alte Leute“ wie Eli können noch lesen. Eine gemeinsame Mahlzeit ist den Menschen unbekannt. Ein Tischgebet erst recht.

Eli vermeidet Ärger. Er versucht, ruhig mit den Menschen zu reden - und wie Denzel redet, ist immer eine Eintrittskarte wert. Sein Prophet Eli(as) zitiert die Bibel, bevor er ein Gemetzel in der Bar einer post-apokalyptischen Western-Stadt anrichtet. Hier regiert Carnegie (Gary Oldman), eine Art Sheriff der Wüstenstadt. Er haust in einem alten Kino und sammelt Bücher. Beziehungsweise, lässt sich von seinen analphabetischen Gewaltschergen Bücher besorgen. „DaVinci Code“ wird direkt verbrannt, eine Mussolini-Biographie findet mehr Interesse. Doch Carnegie sucht ein ganz bestimmtes Buch und das besitzt Eli. Das muss zu einem Duell führen (jemand pfeift dauernd die Titelmelodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“) und es wird nicht bei einem bleiben...

Die alte Geschichte wirkt im Look der Hughes-Brüder erschreckend und ungemein eindrucksvoll. „The Book of Eli“ ist Post-Western und mehr. Aber vor allem cool in der Person von Eli / Denzel. Er zitiert Bibel und Johnny Cash, sein einziger Begleiter ist lange Zeit ein iPod Classic. Elis Weg nach Westen ist ihm prophezeit, vielleicht gibt ihm das diese atemberaubende Sicherheit. Neben Washington kann Oldman nicht so beeindrucken wie in ziemlich der gleichen Rolle beim „Fünften Element“. Dafür freut man sich, Tom Waits im Tante Emma-Laden zu sehen. Und: keine Sorge, das ist kein missionarischer Film. Die King James-Bibel, um die es hier geht, ist ein humanistischer Leitfaden in einer verwüsteten Zeit. Am Ende wird sie zwischen Tora und Koran abgestellt.