23.6.09

Crossing Over


USA 2008 (Crossing Over) Regie: Wayne Kramer mit Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd 113 Min. FSK ab 16

Geschichten über die schrecklichen Dramen an den Wohlstandsgrenzen dieser Welt gibt es eine Menge. Obwohl Europa sich erfolgreich um Abschottung bemüht und allein an den Stränden des Mittelmeers ausreichend Flüchtlings-Leichen vom Erfolg der Regierungsmaßnahmen künden, ist im Film die nahe bei Hollywood gelegene Nordgrenze Mexikos das Menetekel für das Unrecht dieser Schranken. So erscheint „Crossing Over“ geradezu als „Worst of“, als Sammlung der schlimmsten Fälle solcher Einwandererschicksale. Auf maximale Wirkung konstruiert, können diese Episoden um die Stars Harrison Ford und Ashley Judd nicht unberührt lassen.

Eine typische Razzia gegen „illegale“ Einwanderer und Schwarzarbeit. Die panischen Arbeiter werden eingefangen und abtransportiert. Nur der ältere Beamte Max Brogan (Harrison Ford) lässt das Flehen einer jungen Mexikanerin nicht unberührt. Nach langen Kämpfen mit seinem Gewissen, kümmert er sich um deren Kind, obwohl sein Spanisch nur rudimentär ist. Max ist der Frauenversteher im Ensemble. Auf der anderen Seite der Sympathie-Antipathie-Skala steht Cole Frankel (Ray Liotta), der eine Schauspielerin aus Neuseeland zu sexuellen Dienstleistungen erniedrigt, indem er ihr, eine Arbeitsgenehmigung verspricht. Eine Schülerin aus Bangladesch macht sich Gedanken über die Motivation der 9/11-Attentäter und wird sofort mit ihrer ganzen Familie abgeschoben. Ein koreanischer Jugendlicher steht kurz vor der Einbürgerung, überfällt aber mit einer Gang einen Supermarkt. Ein sarkastischer Musiker, der zwar Atheist ist, aber Jobs in jüdischen Einrichtungen haben will, versucht im Schnellkurs Jude zu werden. Eine rebellische Iranerin liefert ambivalente Ansichten zu Heimat und Fremde.

Wenn man solche Geschichten öfters gesehen hat, von ihnen gehört hat, wirkt „Crossing Over“ wie ein Best Of - oder eher, wie die rührendsten Szenen vom Schlechten diesen (Einwanderungs-) Welt. Doch die Stellungnahme von Autor-Regisseur Wayne Kramer ("The Cooler")ist deutlich und bewegend. Er zeigt, wie schwierig es ist, seine Stimme zu erheben gegen das gerade aktuelle Feindbild, selbst wenn die Stimme die Wahrheit sagt. Er lässt die Brutalität und Kälte spüren, von zynischen Sicherheitsbehörden, die ein Mädchen in ein Land deportieren, dessen Sprache sie nicht spricht, die Familien auseinander reißen. Die Schauspielerin kann der Zwangslage nur entfliehen, indem sie noch kälter als ihr Ausbeuter wird. Ihr Freund verurteilt sie dafür, aber er verkauft sich selbst als gläubiger Jude.

Die Verbindungen zwischen den einzelnen Geschichten sind nicht ohne zynischen Hintersinn: Bei einer Schießerei stehen sich in Person des Einwanderungsbeamten iranischer Abstammung und des koreanischen Räubers auch zertrümmerte Familienwerte im Duell gegenüber. Regisseur Kramer klagt an und huldigt gleichzeitig den Moment des Treue-Eids der neuen Staatsbürger als Moment der Wahrheit, in dem der feine Anwalt, der einen „Ehrenmord“ an seiner Schwester begeht, verhaftet wird.