4.1.07

Kinojahr 2007 - Ein Ausblick


Von Günter H. Jekubzik
 
Was bringt das neue Kinojahr? Filmverleiher zeigen dazu gerne Trailer mit Ausschnitten ihrer Top-Titel. Dem Publikum bleibt dieser "Genuss" zum Glück erspart, aber 2007 gibt es einen "Trailer", der alles enthält, was Kino sehenswert macht: Gleich zu Anfang des Jahres läuft "Paris, je t'aime" (25.1.) mit Meisterregisseuren, Cannes-Siegern (Gus van Sant, Walter Salles), Schauspielstars wie Juliette Binoche, William Dafoe, Elijah Wood oder Nick Nolte. Sie verzaubern mit Dramen, Abschieden, Horror und Liebe, vor allem mit Liebe. Denn alle Episoden spielen schließlich in Paris - ein Kinofest!
 
Oscar-Favoriten
In den anderen Sälen feiern die Kinos zu Anfang des Jahres viele amerikanische Oscar-Kandidaten ab: Sean Penn brilliert schon jetzt als populistischer Politiker in "Das Spiel der Macht". Der große, stille Mann der Regiekunst, Clint Eastwood, darf alles. Sogar Kriegsfilmen von ihm blickt man gespannt entgegen. Entkräftet er doch eines der Argumente gegen das Massenmorden auf der Leinwand mit zwei Filmen, die sowohl die Perspektive der Amerikaner ("Flags of our Fathers", 18.1.) als auch die der Japaner ("Letters From Iwo Jima", 22.2.) beim Kampf um die Pazifik-Insel Iwo Jima im Februar 1945. Beide Filme wurden fast zeitgleich gedreht.
 
 
Unendliche Geschichten, Teil 3
Auch die "Piraten der Karibik" haben beim Dreh Sonderschichten eingelegt, so dass Teil 3 "Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt" bereits fertig war, als Teil 2 im letzten Jahr im Kino lief. Das nicht besonders befriedigende Ende sollte also die Neugierde auf die weiteren schauerlichen Abenteuer von Johnny Depp als Jack Sparrow steigern. Das kleine Einmaleins des Kinos übt auch dieses Jahr vor allem die Zahlen von 1 bis 3 ein: "Spider-Man 3", Bruce Willis mit "Stirb langsam 4", "Wilde Kerle 4" (1.2.), "Shrek der Dritte" (22.6.). "Hannibal Rising - Wie alles begann" bei Hannibal Lector, wissen wir eigentlich schon bestens seit Michael Manns "Roter Drache". Doch Hollywood setzt auf kurzes Filmgedächtnis und startet das "Prequel" am 15.2. Das Comeback von Senior Sylvester Stallone als "Rocky Balboa" (hier hat man schon aufgehört zu zählen) wird in Deutschland nach der niederschmetternden Rückkehr von Axel Schulz vielleicht nicht besonders gut ankommen (8.2.). Außerdem in der Abteilung "unnötig": Die ganzen Gemetzel a la "Saw 3" oder "Hostel 2" (12.4.). Nur das Rat Pack von heute, Steven Soderbergh und George Clooney nehmen die ganze Fortsetzungs-Einfalt auf höchstem Niveau in "Ocean's Thirteen" (7.6.) auf die Schippe.
 
 
Neues aus deutschen Landen
Was ganz anderes macht Michael "Bully" Herbig. Nach Western- und Science Fiction-Parodien werden in "Lissy und der wilde Kaiser" (20.9.) jetzt die Sissi-Filme durch den Humor-Wolf gedreht. Die Komiker Pastewka und Kalkofe legen mit "Neues vom Wixxer" (22.3.) noch mal ein paar Erinnerungen an Edgar Wallace nach.
Noch vor der Berlinale sorgt eine NRW-Produktion für einen gewaltigen Paukenschlag: "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler", der neue Film von Dani Levy ("Alles auf Zucker") wird mit Helge Schneider als Adolf Hitler schon nächste Woche laute Lacher und heftige Diskussionen hervorrufen (11.1.). Til Schweiger hängt sich als Hauptdarsteller und Produzent der deutsch-kanadischen Produktion "One Way" ab dem 25.1. wieder richtig rein. Er spielt einen Werbemanager, der kurz vor seinem beruflichen und privaten Durchbruch einen dramatischen Fehler begeht. Die Filmstiftung NRW förderte das Drama mit 100.000 Euro.
 
Festivals jubilieren
Zwei Festival werden 2007 richtig alt aussehen - und sind auch noch stolz darauf: Venedig hatte vor 75 Jahren die erste Ausgabe seiner "Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica". So gibt es bei der 64.Ausgabe einen Spezial-Löwen zum Jubiläum. Auch die Schweiz ist mit Locarno fast schon im Rentenalter. Die Eidgenossen feiern ihre 60. Ausgabe im August. Die Siegerin der letzten Ausgabe, "Das Fräulein", erzählt seine jugoslawische Frauengeschichte schon Ende Januar.
 
Im Juli macht sich das Kino dünne, auch wenn es keine WM gibt: Schon Ende Juli traut sich kein Film mehr ins Kino, weil "Harry Potter und der Orden des Phoenix" am 12.7.2007 startet. Wird der erste Kuss des Zauberlehrlings dem Klassiker aus "Casablanca" Konkurrenz machen? Danach auch erschreckende Leere auf dem Startkalender bis sich vierzehn Tage später die Simpson respektlos auch im Kino breit machen.
 
Aber vielleicht lässt sich Ende 2007 mit "Alien vs Predator" wieder mal konstatieren, die sehen doch alle gleich aus - diese Filme. Auch wenn das Kinojahr soweit festgelegt scheint, ist immer viel Raum für Festivalüberraschungen und eigene Entscheidungen: Was will das Publikum? Weiter lauter, teurer? Oder "besser" auf andere Art, vielleicht mal mit besseren und originellen Geschichten.