13.6.06

American Dreamz - Alles nur Show

USA 2006 (American Dreamz) Regie: Chris Weitz, Paul Weitz mit Hugh Grant, Dennis Quaid, Mandy Moore 107 Min. FSK: ab 6
 
Noch zynischer als Harald Schmidt? Bitte sehr: Martin Tweed (Hugh Grant) produziert und moderiert die ungemein erfolgreiche TV-Show "American Dreamz", eine Art "America sucht den Superstar". Seine vernichtenden Kommentare treffen tiefer als die der männlichen Blondine Bohlen, denn Tweed hat Verstand. Und er weiß um die Gnadenlosigkeit seines Geschäfts, als er für die neue Staffel noch bessere Kandidaten handverlesen auswählt. Vor allem die Quoten-Blondine Sally Kendoo (Mandy Moore) fasziniert ihn, denn genau wie er verrät das Landei aus der Provinz für den Erfolg jeden. Etwa ihren einfältigen Ex-Freund, den sie erst wieder zurück nimmt, als ihn sein selbstmörderischer Einsatz im Irak zum Helden machte.
 
Um das Finale aufzupeppen, zählt der vor nichts zurück schreckende Tweed für das Finale noch auf den rappenden orthodoxen Juden Sholem und den in die 80er vernarrten, heimlichen Terroristen Omar (Sam Golzari als Versager wie Peter Sellers, der "Partyschreck"). All diese Geschichten sind reichlich absurd und recht komisch, doch die größte Nummer ist der US-Präsident (Dennis Quaid), der als Gast-Juror auftritt. Kurz nach dem Wahlsieg ist seine Quote ganz unten. Etwa weil er mal Zeitung las und danach in Bücher versank? Jetzt stellt er fest, dass es drei Arten von "Irakistanis" gibt.
 
Niemand wird hier ernst genommen: Die strengen anti-westlichen Terroristen konferieren im Whirlpool. Der Präsident ist mit seiner Alkoholismus-Vergangenheit und seiner Charakterisierung als Bibel-Freak eindeutig eine Bush-Parodie: Er wurde von seiner Mutter zu Präsidenten gemacht, "um meinem Dad zu zeigen, dass jeder Idiot das kann!" Selbst der Folterer wird angesichts der Talentlosen-Show zum Musikkritiker. Und überhaupt, glaubt man "American Dreamz", wird schlechtes Fernsehen bald die Welt befrieden. Alle Menschen werden RTL-Zuschauer...
 
"American Dreamz" wird von allen Hauptdarstellern sensationell gut gespielt, und bleibt trotzdem seltsam harmlos. Hugh Grant gefällt - wie schon bei "About a boy" - als faltiger, müder Zyniker viel besser als in seinen typischen charmanten Rollen. (Es macht übrigens besonders Spaß, noch mal an seinen Part als britischer Premier in "Love Actually" zu denken. Der US-Cowboy war damals Billy Bob Thornton.) Dennis Quaid ist so gut wie lange nicht mehr. Mandy Moore gibt Sally als richtig glaubwürdig natürliches Biest. William Dafoe zeigt als Präsidentenberater mit Glatze ungeahnte Seiten.
 
Doch der langweilige Verlauf solcher Shows ist auch im Kino ein dramaturgisches Problem. Dazu verkommt die Weltpolitik völlig hemmungslos zum Soap-Material und gleichzeitig meint man Medienkritik zu erspähen, wenn die ultimative Nähe zur Kamera schließlich den Tod bringt. Wie viel treffender war da noch Sidney Lumets "Network" vor dreißig Jahren? Oder auch nur der ähnlich gelagerte und sowohl als Komödie wie auch als Satire gelungenere "Wag the Dog" mit Robert DeNiro und Dustin Hoffman. "American Dreamz" bietet leichte bis seichte Unterhaltung - als Medienkritik lahm, als Unterhaltungsfilm träge.